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Sonntag

Orban will Auflagen der EU-Kommission erfüllen

Brüssel (dpa) - Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat zugesagt, alle Auflagen der EU-Kommission erfüllen und insbesondere Einschränkungen der Wissenschaftsfreiheit in seinem Land zurücknehmen zu wollen.

Das erklärte ein Sprecher der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP)in Brüssel. Auch Kanzlerin Angela Merkel nahm an einem EVP-Treffen mit Orban teil. Sie reagierte zurückhaltend: «Für mich zählt, was dann die tatsächlichen Ergebnisse sind.» 

Ein Ausschluss von Orbans Fidesz-Partei aus der EVP-Parteienfamilie war bei den Gesprächen kein Thema, sagte Manfred Weber (CSU), der Fraktionsvorsitzende der EVP im Europaparlament. Die EU-Kommission hatte am vergangenen Mittwoch wegen des neuen Hochschulgesetzes und seiner diskriminierenden Wirkungen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn eingeleitet. Das neue Gesetz bedroht die Central European University (CEU) in Budapest, die der US-Milliardär George Soros im Jahr 1991 gegründet hatte.

Für Empörung in Brüssel hat auch eine von Orban initiierte Fragebogen-Aktion unter dem Titel «Stoppt Brüssel» geführt. Weber nannte die Vorgänge in Ungarn «nicht akzeptabel». Man erwarte nun, dass die ungarische Regierung die Kritik ernst nehme. Deshalb müsse man aber auch im Gespräch bleiben. 

EVP-Präsident Joseph Daul erklärte, nach einem «offenen Gespräch» mit Orban habe dieser zugesichert, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um den Forderungen der Kommission nachzukommen. «Wir werden nicht akzeptieren, dass grundlegende Freiheiten eingeschränkt oder die Herrschaft des Rechts missachtet wird.» Die «offene Anti-EU-Rhetorik» der Kampagne «Stoppt Brüssel» sei nicht hinnehmbar. 

EU-Gipfel mit Trotz, Blockaden und Sehnsucht nach Einheit

Brüssel (dpa) - Der Ton ist feierlich, die Zielsetzung hehr in der ersten Ideensammlung für die Erklärung der Europäer zum 60. Jahrestag der Römischen Verträge. Von Stolz auf das Erreichte ist die Rede, von beispiellosen Herausforderungen in einer unsicheren Welt, von der Vision einer sichereren und wohlhabenderen Union in zehn Jahren. Und vom «Geiste loyaler und enger Zusammenarbeit».

Vielleicht brauchten die EU-Staats- und Regierungschefs eine Dosis salbungsvoller Prosa am zweiten Tag ihres Gipfels in Brüssel, nach dem Hickhack mit Polen um die Wahl des EU-Ratspräsidenten am Vortag.

Kurz gesagt passierte dies: Die Polen scheiterten krachend mit einem aussichtslosen Aufstand gegen die Wiederwahl ihres politisch missliebigen Landsmanns Donald Tusk und verkündeten deshalb den Boykott der Gipfelbeschlüsse. Was wiederum die übrigen 27 Länder schwer erboste. Der luxemburgische Regierungschef Xavier Bettel schäumte noch am Freitagmorgen über die «Trotzreaktion aus einer Ecke», in der man sich «nicht wie ein Erwachsener benimmt».

Die Sehnsucht nach dem «Geiste loyaler und enger Zusammenarbeit» liegt also nahe. Auch Kanzlerin Angela Merkel hob nach Ende des Brüsseler Gipfels am Freitag darauf ab. Sie suchte einen positiven Abschluss der beiden turbulenten Tage und erinnerte daran, dass die Europäische Union «bei allen Problemen, die wir haben, ein gelungenes Modell ist».

Allerdings herrscht auch Nervosität vor den Wahlen in den Niederlanden nächste Woche und in Frankreich nächsten Monat, die anti-europäische Rechtspopulisten stärken könnten. Die EU-Macher sind zudem genervt vom andauernden Krisenmodus nach Terrorattacken, Schuldenstreit und Flüchtlingszwist; genervt auch vom wohlfeilen Europa-Bashing, wie es EU-Kommissar Pierre Moscovici im Deutschlandfunk beklagte.

Und die EU-Bürger verlieren irgendwie schleichend die Geduld. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend fanden gerade einmal 41 Prozent der Befragten, dass Deutschland eher Vorteile von der EU hat - elf Punkte weniger als im Juli 2016 kurz nach dem Brexit-Votum, als alle geschockt schienen von dieser radikalen Abkehr der Briten.

Das alles hatten die Staats- und Regierungschefs wohl im Hinterkopf, als sie sich über das von EU-Kommission und Ratspräsidentschaft, von Italien und Malta vorbereitete Ideenpapier für die «Agenda von Rom» beugten. Die vier Seiten, die unter der Hand in Brüssel kursierten, führten «mögliche Elemente» für die Erklärung auf, die in zwei Wochen bei einem Sondergipfel in Rom veröffentlicht werden soll. «Mögliche Elemente», das klang hinreichend vage - nur keine Festlegungen vor der Debatte, keiner soll übergangen werden.

Denn die EU-Partner haben sich aneinander wund gerieben. Die Kleinen fühlen sich ausgebootet von den Großen - von Deutschland. Der Süden fühlt sich wirtschaftspolitisch gegängelt vom Norden - von Deutschland. Dem Osten passt die ganze Linie nicht. Und Merkels Eintreten für ein «Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten» hat das Misstrauen nicht gelindert - im Gegenteil. Einige Länder interpretierten den Vorschlag als Trennlinie und «neuen Eisernen Vorhang zwischen Ost und West», berichtete EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker aus der Diskussion vom Freitag.

Die Befürworter - und das sind neben Merkel auch Frankreich, Italien, die Benelux-Staaten und andere - versprechen sich davon, den dicken Tanker EU überhaupt flott zu halten. Und alle gemeinsamen Projekte blieben jederzeit für alle offen, beteuerte die Kanzlerin. Aber man kann das Konzept eben auch sehen als Schuss vor den Bug der Querulanten und als Mahnung, zumindest nicht im Wege zu stehen.

Aber ist das die Lösung? Wird die EU dadurch schneller, effizienter, handlungsfähiger, beliebter? Wird die Union irgendwann wirklich geeint?

Der Polen-Eklat wirkte auf den ersten Blick wie der niederschmetternde Gegenbeweis - überflüssige und undurchsichtige Diskussionen, «die letztendlich die Lebenswirklichkeiten der europäischen Bürger und Bürgerinnen nicht berühren», wie der österreichische Regierungschef Christian Kern ernüchtert feststellte. Man kann diese Episode aber auch anders lesen. Unabhängig von den üblichen Grüppchen und Gräben haben sich 27 Länder zusammengerauft und einen Quertreiber einfach stehen lassen. Das klingt schon fast nach dem «Geiste loyaler und enger Zusammenarbeit».