Posts mit dem Label Soziales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Soziales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag

Tausende Arbeitslose brauchen Kredite vom Jobcenter

Berlin (dpa) - Viele Hartz-IV-Bezieher müssen zusätzlich zu den ausgezahlten regulären Leistungen ein Darlehen von den Jobcentern aufnehmen. Diese können sie in Anspruch nehmen, um dringende Anschaffungen wie Kühlschrank, Waschmaschine oder Kleidung finanzieren zu können.

Im vergangenen Jahr gewährte die Bundesagentur für Arbeit jeden Monat im Schnitt 15.289 Hartz-IV-Beziehern einen Kredit für so genannten unabweisbaren Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Sonntag unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

2007 hatten noch 11.521 Personen im Monatsdurchschnitt ein solches zinsloses Darlehen erhalten, für dessen Tilgung monatlich zehn Prozent von der Hartz-IV-Regelleistung abgezogen werden. In den Folgejahren stieg die Zahl auf bis zu 18.658 Personen an, dann ging sie wieder zurück.

Die Zahlen hatte die Arbeitsmarktexpertin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, von der Bundesagentur für Arbeit angefordert. Zimmermann sagte den Funke-Zeitungen: «Die Gewährung der Darlehen im Hartz-IV-System beweist, dass die Regelleistung prinzipiell viel zu niedrig angesetzt ist.»

Donnerstag

Bsirske lobt Gerechtigkeitswahlkampf von Schulz

Berlin (dpa) - Verdi-Chef Frank Bsirske unterstützt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei seinem zentralen Ziel, mehr Gerechtigkeit in Deutschland zu schaffen.

«Martin Schulz greift das richtige Thema auf, und ich gehe davon aus, dass das weiter vorangetrieben wird», sagte der Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Die Arbeitgeber warnten hingegen vor Schwarzmalerei. «80 bis 90 Prozent der Menschen in Deutschland sind mit ihrer persönlichen Situation, mit ihrer Lebenssituation, mit ihrer Arbeitssituation zufrieden», sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, der dpa. «Daraus lässt sich kein gewaltiges Gerechtigkeitsdefizit entwickeln.»

Jede Bundesregierung und jede politisch verantwortliche Person sollte sich vielmehr daran orientieren, «wie wir diese Zufriedenheitssituation auch in Zukunft sicherstellen können». Kramer verwies darauf, dass dem deutschen Arbeitsmarkt 2030 voraussichtlich sechs Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen werden. Solle die hohe Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft durch den demografischen Wandel nicht leiden, sei die Lösung dieser Zukunftsprobleme vordringlich.

Schulz will nach eigenen Worten dafür kämpfen, «dass es in unserem Land gerechter zugeht». Auch Nordrhein-Westfalens Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) verspricht im Landtagswahlkampf mehr soziale Gerechtigkeit.

Bsirske betonte: «Deutschland ist ein reiches Land mit einer wachsenden Wirtschaft, aber zugleich ein Land mit stark gewachsener Ungleichheit.» Auseinanderklaffende und oft niedrige Einkommen lassen laut Bsirske die soziale Spaltung wachsen. «Dazu kommen die extrem ungleich verteilten Vermögen.» Deutschland sei eines der am stärksten polarisierten Länder. «Gleichzeitig steht für viele öffentliche Güter zu wenig Geld zur Verfügung», kritisierte der Verdi-Chef.

So müsse Deutschland viel stärker in Bildung, Pflege, Infrastruktur und sozialen Wohnungsbau investieren. «Von der Kita bis zur Hochschule und zur Aus- und Weiterbildung ist das Bildungswesen stark unterfinanziert», sagte Bsirske. Eklatante Investitionsdefizite gebe es bei der öffentlichen Infrastruktur. Das Zusammentreffen von ungleich verteiltem Vermögen, einer Armutsbevölkerung und massivem Investitionsbedarf schaffe ein Gerechtigkeitsproblem.

Bsirske lobte Schulz für den Plan eines längeren Bezugs von Arbeitslosengeld I im Fall einer Qualifizierung. «Wir brauchen so etwas wie eine geförderte Bildungsteilzeit, wir brauchen gesellschaftliche Investitionen in Aus- und Weiterbildung», sagte er. Auch Schulz` Akzent für beitragsfreie Bildung sei richtig. «Ich gehe davon aus, dass Schulz das Thema Rente besetzen wird», fügte er an.

Der Verdi-Chef forderte die SPD zu einer anderen Steuerpolitik zur Finanzierung der sozialen Aufgaben und Investitionen auf. «Da muss Martin Schulz liefern.» Ein Kurswechsel sei nötig. Dafür stünden auch Linke und Grüne. Die Union sei hoffentlich teils dafür zu gewinnen.

Scharf griff Bsirske den Kurs der Haushaltsstabilität von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an. «Es ist unsinnig, dass Schäuble die schwarze Null zum Dogma erhoben hat - in einer Zeit, in der der Staat mit lang laufenden Krediten problemlos Geld aufnehmen und wegen der Negativzinsen sogar dazuverdienen könnte.»

Sonntag

SPD will Arbeitslosengeld auf maximal 48 Monate verdoppeln

Berlin (dpa) - Die SPD will den Bezug von Arbeitslosengeld auf maximal 48 Monate verlängern. Arbeitslose sollen so besser vor einem Absturz in Hartz IV geschützt werden, wenn sie sich weiterqualifizieren, eine Umschulung machen oder einen Berufsabschluss nachholen.

Das sieht ein federführend von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD)  für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geschriebenes Wahlkampfpapier vor. Es lag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vor und soll am Montag vom SPD-Vorstand beraten werden. Die «Süddeutsche Zeitung» (Samstag) berichtete als erstes darüber.

Die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengelds I (ALG I) soll sich um die Zeit verlängern, in der Betroffene eine Qualifizierungsmaßnahme besuchen. Für ältere Arbeitslose kann sich die Zeit des ALG-I-Bezugs folglich von 24 auf auf maximal 48 Monate verdoppeln. Heute finanziert die Bundesagentur für Arbeit (BA) abschlussorientierte Qualifizierung in der Regel maximal für 24 Monate. Häufig sind solche Maßnahmen kürzer. Das ALG I wird für 24- bis 50-Jährige für bis zu 12 Monate gezahlt, bei einer beispielsweise sechsmonatigen Weiterqualifizierung fließt die ALG-I-Summe folglich für 18 Monate.

Bereits heute verlängert sich das ALG I durch eine Qualifizierung, allerdings nur zur Hälfte - bei sechs Monaten in einer Umschulung fließt ALG I nur drei Monate länger.

Arbeitslose sollen laut dem SPD-Papier ein Recht auf Weiterbildung erhalten. Finden sie binnen drei Monaten keine neue Stelle, soll die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Qualifizierungsangebot machen. Die Betroffenen sollen während dieser Maßnahme ein neues Arbeitslosengeld Q in Höhe des ALG I bekommen. Nach der Qualifizierungsmaßnahme setzt der Anspruch auf ALG I wieder ein. Die BA soll zu einer Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung ausgebaut werden.

Weitere Verbesserungen sollen den SPD-Vorstellungen nach darin bestehen, dass man etwas kürzer als bisher gearbeitet haben muss, um ALG I beziehen zu können: nicht mehr 12 Monate innerhalb von 2 Jahren, sondern 10 Monate innerhalb von 3 Jahren. Für Hartz-IV-Bezieher soll das Schonvermögen von 150 Euro auf 300 Euro pro Lebensjahr verdoppelt werden. «Wir wollen, (...) dass eine längere Phase der Arbeitslosigkeit möglichst vermieden wird beziehungsweise dass Phasen der Arbeitslosigkeit genutzt werden, um die vorhandene Qualifikation zu erweitern», heißt es in dem Papier.

Die Opposition begrüßte die Schritte - doch sind sie für sie völlig unzureichend. Der Linken-Vorsitzende Bernd Riexinger forderte eine wirkliche Rückabwicklung der Agenda 2010. «Zu einem wirklichen Bruch mit Agenda 2010 und Hartz IV gehört die Abschaffung der Sperrzeiten und der Hartz-IV-Sanktionen», sagte die Co-Chefin Katja Kipping. Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer sagte der dpa: «Größtes Manko des Konzepts: Arbeitslosengeld-II-Bezieher haben davon nichts.» Eine Neuberechnung des ALG-II-Regelsatzes fehle bei Schulz völlig. «Arbeitslosengeld-II-Bezieher passen offenbar nicht in sein Schema vom "hart arbeitenden Menschen" und spielen deswegen bei seinen Gerechtigkeitsvorstellungen keine Rolle.»

IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis begrüßte die geplante Koppelung einer ALG-I-Verlängerung an Qualifizierungsmaßnahmen.

Donnerstag

Altersarmut nimmt in Deutschland zu

Berlin (dpa) - Altersarmut wird für Millionen Menschen in Deutschland zum wachsenden Problem. Denn das Versorgungsniveau der künftigen Rentner werde ohne zusätzliche Altersvorsorge in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen, wie aus dem «Alterssicherungsbericht 2016» des Bundessozialministeriums hervorgeht.

Vor allem Geringverdiener sorgen aber nicht selbst vor. So haben laut dem Bericht 47 Prozent der Niedrigverdiener keinerlei zusätzliche Altersvorsorge.

Mehrere Medien wie die «Süddeutscher Zeitung» (Mittwoch) oder die «Passauer Neue Presse» (Donnerstag) zitierten zuerst aus dem Bericht.

«Während über alle Einkommensklassen hinweg rund 30 Prozent der Befragten angaben, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu verfügen, sind es bei den Geringverdienern mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro pro Monat knapp 47 Prozent.» Das seien 1,9 Millionen der knapp 4,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Niedriglohngruppe. Fast drei Viertel sind Frauen.

Insgesamt verfügten 70,4 Prozent über eine zusätzliche Vorsorge, 33,8 Prozent über einen Riester-Vertrag, 20,4 Prozent sowohl über eine Riester-Police als auch über eine betriebliche Vorsorge. Das Nettoeinkommen von Ehepaaren über 65 betrug 2015 im Schnitt 2543 Euro, bei alleinstehenden Männern waren es 1614, bei Frauen 1420. Knapp die Hälfte aller Senioren haben zusätzliche Einkünfte: vor allem Zinsen, aber auch Mieten, Pacht und Erwerbseinkommen.

Bereits seit Ende September ist bekannt, wie stark die gesetzliche Rente hinter den Löhnen in den kommenden Jahrzehnten zurückbleibt. Dies zeigt sich im fallenden Rentenniveau. Bis 2035 sinkt es nach Berechnungen des Sozialministeriums von heute 47,8 Prozent auf unter 43 Prozent - bis 2045 soll es auf 41,6 Prozent sinken, wenn nicht gegengesteuert wird.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann rief zu einer Einigung in der Koalition über das künftige Rentenniveau auf. «Gerade bei der Rente darf man nicht mehr versprechen, als man hinterher leisten kann», sagte Oppermann dem Berliner «Tagesspiegel» (Donnerstag). Es spreche daher einiges für eine Verständigung über das Rentenniveau.

Die Linken kritisierten es als «zynisch», wenn die Bundesregierung Geringverdienenden empfiehlt, privat vorzusorgen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte, Geringverdiener könnten Rentenlücken nicht über private Altersvorsorge ausgleichen.

Die heutigen Rentner müssen im kommenden Jahr mit einer deutlich geringeren Erhöhung ihrer Bezüge auskommen als in diesem Jahr. Nach den jüngsten Daten vom Juli ergebe sich eine Erhöhung der Renten im kommenden Sommer um 2,3 Prozent (West) und 2,58 Prozent (Ost), heißt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Haushaltsplan der Deutschen Rentenversicherung Bund. Die Oldenburger «Nordwest-Zeitung» (Mittwoch) hatte daraus zitiert.

Die Rentenversicherung betonte, derzeit seien noch keine belastbaren Aussagen zur Höhe der Rentenanpassung im nächsten Jahr möglich. Genauere Prognosen werden erst für November erwartet, alle relevanten Daten gibt es erst im Frühjahr. Im Sommer waren die Renten um 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten gestiegen.

Die Führungen der Unionsparteien wollen am Freitag über Reformschritte bei der Rente beraten. Gegen die CSU-Forderung nach einer Ausweitung der Mütterrente gib es in der CDU Widerstand. Sowohl der Chef der CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA), Karl-Josef Laumann, als auch der Chef der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, sprachen sich in der «Welt» dagegen aus. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will im November ein umfassendes Rentenkonzept vorlegen.

>