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Donnerstag

Navis im Auto: Rätselraten bei Sprachbefehlen

 --- Top-Verständnis: BMW - Ganz schwach: Infiniti und Peugeot --- 

(lifepr) Stuttgart, 25.05.2017 - Das Einstellen des Navis während der Fahrt, das Wählen von Telefonnummern oder Radiosendern lenkt oft derart ab, das Autofahrer besser die Sprachsteuerung nutzen sollten. Doch funktioniert die wirklich zuverlässig? Nein, tut sie nicht. Teilweise verlangen Bediensysteme im Auto ganz bestimmte Befehle, verstehen einfach nicht, was der Fahrer will und lenken im Gegensatz zusätzlich ab. Das ist das Ergebnis eines Tests von acht Spracheingaben durch die Zeitschrift auto motor und sport. Acht Hobbytester haben die Spracheingaben in Autos von Audi, BMW, Ford, Infiniti, Mercedes, Peugeot, VW und Volvo getestet. Die Unterschiede waren enorm.

So müssen die Autofahrer im Ford, Peugeot und Mercedes Telefonnummern in Einzelziffern diktieren, ansonsten werden die Rufnummern nicht verstanden. Zudem müssen richtig verstandene Befehle bei Ford immer bestätigt werden – die Ablenkung ist maximal. Und will man einen Radiosender per Sprachbefehl auswählen, nutzt der Name nichts, das Gerät akzeptiert nur die richtige Frequenz.

Noch schlimmer ist es im Infiniti, dem schlechtesten System im Test. Die Spracheingabe verlangt zwingend konkrete Befehle, unterteilt selbst simple Adresseingaben in bis zu zehn Einzelschritte und versteht oft wichtige Schlüsselbegriffe wie „Navigation“ nicht. Auch Peugeot und Volvo verlangen genau vorgegebenen Formulierungen, die man erst einmal auswendig lernen muss. Varianten werden so gut wie nicht verstanden.

Dass es ganz anders geht, zeigen  die deutschen Premiummarken und VW. Testsieger ist mit Abstand BMW. Die Sprachsteuerung versteht praktisch alles, auch bei Störgeräuschen während der Fahrt. Der Grund: Die Sprachkommandos werden nicht im Auto ausgewertet, sondern per Mobilfunk auf einen externen Server gesendet, wo sie mit leistungsfähigen Computern entschlüsselt und zurück ins Auto geschickt werden. Das Ergebnis ist überzeugend, die Gesamtnote mit 1,1 top.

Gut ist auch die Sprachsteuerung von Audi mit der Note 1,4. Einzige Schwäche: Mit langen Telefonnummern hat der Audi seine Probleme. Überzeugt waren die Tester auch von Mercedes und VW, die sich mit der Note 1,8 den dritten Platz teilen. Bei Mercedes werden die Sprachbefehle zum Teil ebenfalls an einen Server verschickt und ausgewertet. Das Ergebnis ist überzeugend. Erstaunlich: Der VW ist ähnlich gut, obwohl er die Auswertung im Auto erledigt.

Wir stellen Redaktionen das Testergebnis gerne zur Verfügung.

Samstag

Zug entgleist, Straßen überflutet: Unwetter in Deutschland

Stadtroda (dpa) - Ein entgleister Zug, Schlamm auf der Autobahn und ein lahmgelegter Flughafen: Blitze, Stürme und Regenschauer haben in der Nacht zu Samstag in großen Teilen Deutschlands heftig gewütet. Polizei und Feuerwehr waren vielerorts im Dauereinsatz.

Im Osten Thüringens entgleiste am Freitagabend ein Regionalzug. Er fuhr bei Stadtroda - zwischen Jena und Gera - in eine Schlammlawine, die nach einem Unwetter auf die Gleise gerutscht war, wie eine Bahnsprecherin mitteilte. Nach Angaben des Lagezentrums der Thüringer Polizei wurden sieben Menschen leicht verletzt. Der Regionalexpress war von Glauchau (Sachsen) nach Göttingen (Niedersachsen) unterwegs. Die Strecke blieb bis auf Weiteres gesperrt.

Ein Unwetter über Hamburg bescherte derweil fast 140 Flugreisenden eine Nacht auf Feldbetten im Flughafen Fuhlsbüttel. «15 Abflüge und 14 Ankünfte von Maschinen mussten gestrichen werden», sagte eine Flughafensprecherin. Von den am Freitagabend gestrichenen Abflügen waren rund 1500 Passagiere betroffen, die meisten seien aber wieder nach Hause gegangen oder hätten in Hotels übernachtet. Zeitweise mussten Passagiere während des Gewitters auch in gerade gelandeten Maschinen ausharren. «Wenn wir Blitzwarnungen haben, dürfen unsere Mitarbeiter nicht aufs Rollfeld und weiter abfertigen und die Fluggäste dürfen auch nicht aussteigen. Das ist zu gefährlich.»

In Sachsen-Anhalt führten die Regenmassen in der Nacht zum Samstag zu Überschwemmungen. Wie die Polizeistellen mitteilten, wurde die Autobahn 38 bei Querfurt durch den Starkregen überspült. Wegen Schotter auf der Fahrbahn in Richtung Leipzig gab es eine Vollsperrung. Auf der A14 bei Bernburg gelangte Schlamm auf die Fahrbahn. Zudem drückte der Regen im Magdeburger Raum einige Gullydeckel hoch und Bäume stürzten um. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden am Freitagabend außerdem die Bahngleise auf der Strecke zwischen Naumburg und Nebra unterspült. Der Zugverkehr zwischen Karsdorf und Nebra war bis auf weiteres unterbrochen.

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern oder auch dem Osten Niedersachsens gab es ebenfalls sehr viel Regen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Abend berichtete. Örtlich seien bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen, auch Hagel.

Mittwoch

Schnee und Eis bringen Behinderungen im Süden

München (dpa) - Das wechselhafte April-Wetter hat am frühen Mittwoch erneut Behinderungen auf den Straßen im Süden Deutschlands gebracht. Vielerorts in Bayern hatten Autofahrer mit rutschigen und schneebedeckten Straßen zu kämpfen. Größere Unfälle wurden aber zunächst nicht bekannt.

Am Dienstagabend hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Glätte in weiten Teilen des Freistaats gewarnt. Am Dienstagnachmittag waren in Niederbayern bei einem durch Blitzeis ausgelösten Serienunfall mit zwölf Fahrzeugen mehrere Menschen verletzt worden.

Richtig frostig war es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze: Dort wurden minus 17 Grad registriert. In den deutschen Alpen herrscht weiter erhebliche Lawinengefahr.

Auch in Baden-Württemberg müssen sich die Menschen am Mittwoch auf Niederschlag mit Schnee, Schneeregen oder Graupel einstellen, gegen Nachmittag lässt sich dann die Sonne häufiger blicken. Am Dienstagabend geriet eine 25-Jährige bei Meßstetten mit ihrem Wagen, an dem sie schon Sommerreifen montiert hatte, ins Schleudern und stieß mit einem Lastwagen zusammen. Sie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Dienstag

Schnee und Glätte behindern vielerorts den Verkehr

München (dpa) - Schnee und Glätte haben zum Start in die Arbeitswoche vielerorts den Straßenverkehr behindert. In Bayern hatten Autofahrer besonders auf der Autobahn 9 in Oberfranken mit dem Wintereinbruch zu kämpfen, an Steigungen stellten sich dort mehrere Lastwagen quer und verursachten lange Staus.

Auch in anderen Teilen Bayerns gab es am Morgen winterliche Straßenverhältnisse. Starker Regen und viel Verkehr hatten schon am Montagabend bei Porta Westfalica in Nordrhein-Westfalen zu sechs Autobahnunfällen geführt. Bei den Karambolagen wurden neun Menschen schwer und fünf leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. Unter anderem fuhr ein mit 58 jugendlichen Sportlern besetzter Bus in ein Stauende und schob mehrere Autos ineinander.

In Mecklenburg-Vorpommern krachten bei starkem Regen und Hagel am Ostermontag ebenfalls mehrere Fahrzeug zusammen. Die Polizei berichtete von vier Schwer- und vier Leichtverletzten bei den wetterbedingten Karambolagen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte die Autofahrer schon am Ostermontag vor glatten Straßen gewarnt.

«Einige haben ja vielleicht schon Sommerreifen auf ihren Autos drauf», sagte ein Meteorologe. Ein Polizeisprecher in Darmstadt bestätigte am Dienstag Behinderungen im Berufsverkehr, weil viele Fahrer mit Sommerreifen unterwegs waren. Unfälle habe es dort aber zunächst keine gegeben.

Auch in den kommenden Tagen sind Schneefälle bis in die Niederungen möglich. Bei nächtlichen Tiefstwerten von verbreitet bis zu minus fünf Grad kann es glatt werden.

In den Alpen sorgt der Wintereinbruch für eine erhöhte Lawinengefahr. In Österreich sind stellenweise bis zu 50 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die Experten des Lawinenwarndienstes stuften deshalb die Lawinengefahr in Tirol oberhalb von 2000 Metern als erheblich ein.

Das Wetter macht den Obstbauern und den Winzern große Sorgen. In den Anbaugebieten der Wachau, in der Steiermark und im Burgenland trafen die Bauern Vorkehrungen, um kälteempfindliche Triebe zu schützen. So wurden unter anderem viele Strohballen auf den Anbauflächen verteilt, die bei Frost angezündet werden und die Luft wärmen sollen.

Wo liegt die Zukunft des Fahrrads?

Mannheim (dpa) - 200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads soll im oft heiklen Miteinander von Autofahrern, Radlern und Fußgängern alles besser werden. Viel öfter Tempo 30 in der Stadt, frühere Verkehrserziehung für Kinder und eine stärkere Digitalisierung sind Kernforderungen von Experten.

Sie sollen im Autoland Deutschland die Lust aufs Radeln weiter erhöhen und die Zahl der Verkehrstoten senken. Radfahren boomt, aber die Behörden verschlafen den Trend, kritisiert jedoch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC): Fahrradförderung sei mehr als das Aufmalen von bunten Streifen und Bildchen auf die Straße.

Doch wie sieht das Radfahren der Zukunft aus? Darüber diskutieren seit Montag Dutzende internationale Experten bei einem großen Kongress in Mannheim. Der Veranstaltungsort des zweitägigen Symposiums ist kein Zufall: In der badischen Stadt erfand Karl Freiherr von Drais vor 200 Jahren den Vorläufer des Fahrrads. Mit seiner Laufmaschine, mit der er am 12. Juni 1817 die erste Fahrt unternahm, hatte der gebürtige Karlsruher zwar kaum wirtschaftlichen Erfolg. Aber er gab den Anstoß zu einer neuen Art der Fortbewegung.

«Es ist viel getan worden, um Platz für Radfahrende zu schaffen. Das ist gut so und fördert die gegenseitige Akzeptanz», sagt Jürgen Gerlach von der Uni Wuppertal. Er stellt sein Projekt «Fresh Brains» in Mannheim vor. Dazu untersuchten Studenten aus Wuppertal und Breda (Niederlande) vier deutsche Kommunen. «Alle Städte haben positiv überrascht. Wuppertal ist noch keine Fahrradstadt - aber sie hat das Vorzeigeprojekt Nordbahntrasse, das extrem gut angenommen wird. Chemnitz und Kassel haben gute Radinfrastruktur. Und Mönchengladbach hat engagierte Bürger», sagt Gerlach. Dies zeige, dass sich abseits der klassischen Radfahrstädte Münster und Freiburg viel bewege.

«Im internationalen Vergleich ist Deutschland sicher ein Fahrradland, wir haben aber noch viel Luft nach oben», sagt Frederic Rudolph vom Wuppertal-Institut. Er plädiert unter anderem für möglichst viele Tempo-30-Zonen. «Davon würde das Rad profitieren», meint der Leiter des «Flow»-Projekts, das Verkehrsfluss und Stauvermeidung analysiert. Grundsätzlich sieht Rudolph Bedarf für mehr Rücksicht im Verkehr: «Das brächte mehr Sicherheit, von der besonders das Rad profitiert.»

Etwa elf Millionen Menschen treten täglich in die Pedale, schätzt der ADFC. Doch politische Mutlosigkeit und rein kosmetische Lösungen verhinderten, dass das Radfahren in Deutschland noch weiter vorankomme. 15 Prozent Radverkehrsanteil habe sich die Bundesregierung bis 2020 vorgenommen, er stagniere aber derzeit bei unter 12 Prozent. Zum Vergleich nennt der ADFC das Nachbarland Niederlande, wo der Anteil bei 27 Prozent liege.

Anlässlich der Mannheimer Tagung bekräftigt Staatssekretär Norbert Barthle den Plan neuer Fahrradwege für Pendler. «Erstmals fördert der Bund im Jahr 2017 besondere Radschnellwege mit zusätzlichen 25 Millionen Euro», sagte er der «Rheinischen Post». Geplant sind «kleine Fahrradautobahnen» ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr.

Aufgrund der teilweise hügeligen Landschaft konnte Deutschland - etwa im Vergleich zu den Niederlanden - bisher nur bedingt ein Fahrradland sein, meint Björn Offermann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Elektroräder (E-Bikes und Pedelecs) hätten dies verändert. «Nun sind wir - wie ich finde - auf einem guten Weg», sagt Offermann, der in Mannheim Lastenräder mit Brennstoffzellenantrieb (FCREX) vorstellt. Pedelecs können damit größere Lasten transportieren, längere Distanzen mit höherem Tempo bewältigen sowie in hügeligen Regionen und bei niedrigeren Umgebungstemperaturen eingesetzt werden.

Förderung soll aber auch Menschen zugutekommen, die sich Räder nur leihen. «Wir wollen Mieträder aufstellen, wo sie gebraucht werden - und das zu effizienten Kosten beim Verteilservice», sagt Michael Kraus von der MVGmeinRad aus Mainz. Der Schlüssel ist eine sogenannte Rebalancing App. Die Software zeigt etwa den jeweiligen Bedarf an Rädern an. Doch Technik sei nur eine Seite der Medaille, unterstreicht auch Kraus: «Verkehrserziehung in der Gesellschaft ist eine Daueraufgabe - das Miteinander im Verkehr gelingt nur gemeinsam.»

Auch fern der Städte nimmt das Radfahren stetig zu. «Im Berufs- und Alltagsverkehrs wird Deutschland noch längere Zeit Autoland bleiben, auch wenn sich erste Tendenzen zur Umorientierung erkennen lassen. Im Freizeitbereich ist Deutschland ganz eindeutig Fahrradland», sagt Jannik Müller vom Verein Sauerland-Radwelt. Schon jetzt gebe es Tourismusregionen mit hochwertigen Angeboten. Der Kongress in Mannheim unterstreiche, dass das Potenzial längst nicht ausgeschöpft sei.

Sonntag

Lange Nacht und kurzer Showdown für die Maut

Berlin (dpa) - Kurz vor dem Ziel wird es noch einmal brenzlig. Von einer «spannenden und langen Nacht», spricht Alexander Dobrindt am Vormittag im historischen Gemäuer des Bundesrats. «Das muss man nicht jeden Tag erleben.»

Da hat der Bundesverkehrsminister in der Länderkammer gerade sein heikelstes Projekt über die letzte Hürde bekommen - die umkämpfte Pkw-Maut, die für seine CSU nicht weniger ist als ein Beleg christsozialer Durchschlagskraft im Bund. Etlichen Bedenken und noch mehr Unkenrufen zum Trotz hat Dobrindt politisch «geliefert» - auf der Straße ist die Maut damit aber noch nicht.

Worum ging es im Bundesrat?

Um die Einführung der «Infrastrukturabgabe» endlich voranzubringen, muss Dobrindt die seit 2015 geltenden Maut-Gesetze ändern, die er notgedrungen geparkt hat. Mit dieser Zusage holte er die kritische EU-Kommission ins Boot, die im Gegenzug grünes Licht für die Maut versprach. Nun kann Dobrindt Vollzug nach Brüssel melden. Konkret geht es um neue Preisstufen der Kurzzeittarife für Fahrer aus dem Ausland und eine höhere Maut-Entlastung für Inländer mit sauberen Euro-6-Autos bei der Kfz-Steuer. Der Bundestag hat das Paket vor einer Woche beschlossen, jetzt ist es auch durch den Bundesrat.

Warum haben die Länder die Maut nicht gestoppt?

Dass es unter den Ländern massive Vorbehalte gegen die Maut gibt, war von vornherein klar. Zustimmungspflichtig ist das Paket jedoch nicht. Am Donnerstagabend sieht es aber so aus, dass Truppen zusammenkommen, um den Vermittlungsausschuss anzurufen und das Verfahren zu verzögern - womöglich so lange, dass es bis zur Bundestagswahl am 24. September versanden könnte. Also sind wieder die schwarz-roten Parteichefs am Zuge, die von Anfang an eine schützende Hand über die Maut halten, die ja im Koalitionsvertrag steht. CSU-Chef Horst Seehofer droht für den Fall einer Ablehnung Konsequenzen bei anderen Themen an, wie er später berichtet: «Warum sollen dann die Bayern sich an gegebene Worte halten?» Bis zum frühen Morgen wird viel telefoniert. Der eigentliche Showdown im Bundesrat ist kurz: Vermittlungsverfahren? Minderheit.

Wann kommt die Maut denn nun?

Für Autofahrer aus dem In- und Ausland bleiben die Autobahnen und Bundesstraßen erstmal gratis. Denn den Start der Maut peilt Dobrindt erst für 2019 an. Für ihn selbst drängt trotzdem die Zeit, will er sein Vorhaben bis zur nahenden Bundestagswahl so unumkehrbar wie möglich machen. Vom Tisch sind dabei nun mögliche erneute Änderungen des Maut-Modells, für die sich die Länder vergeblich stark gemacht haben: Ausnahmen für mautfreie Autobahn-Abschnitte an den Grenzen, um befürchtete Einbußen für Geschäfte und Gaststätten zu vermeiden.

Wie geht es weiter?

Dobrindt kann nun die nächsten Schritte angehen. «Jetzt mus alles wieder anlaufen, was wir an Abwicklung unterbrochen haben.» Da ist vor allem eine europaweite Ausschreibung für den künftigen privaten Betreiber des Systems zur Maut-Erhebung, die wiederum mehrere Monate beanspruchen dürfte. Farbe bekennen können nun auch Nachbarländer, die seit Monaten eher allgemein mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof drohen. Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried kündigt denn auch prompt an, «zeitnah» rechtliche Schritte einzuleiten. Und Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erkennt zumindest einen Vorteil: «Das Ganze hat sich so lange verzögert, dass diese Maut in der nächsten Legislatur noch gestoppt werden kann.»

Mittwoch

Auch einige europäische Maut-Gegner lassen Autofahrer zahlen

Brüssel (dpa) - Die deutschen Maut-Pläne sorgen in vielen Ländern für Widerstand. Etliche von ihnen treffen sich am Mittwoch in Brüssel. Doch wie handhaben diese Staaten die Nutzung ihrer eigenen Straßen?

Vignette für eine pauschale Straßennutzung:

ÖSTERREICH - Für Autobahnen und Schnellstraßen ist eine Vignette nötig. Sie kostet für 10 Tage 8,80 Euro, für ein Jahr 85,70 Euro.

TSCHECHIEN - In Tschechien müssen Autofahrer auf allen Autobahnen und Schnellstraßen Maut zahlen. Zehn Tage kosten 11,50, ein Jahr etwa 55 Euro.

Streckenabhängige Maut:

POLEN - Die Autobahnen A1, A2 und A4 sind streckenweise gebührenpflichtig.

FRANKREICH - Urlauber müssen auf fast allen Autobahnen zahlen. Die Gebühr hängt auch von der gefahrenen Distanz ab.

UNGARN - Ein Großteil der Autobahnen in Ungarn ist mautpflichtig. Die Kosten für Pkw liegen für 10 Tage bei knapp 10 Euro, für ein Jahr bei knapp 140 Euro.

Keine Maut:

DÄNEMARK - In Dänemark gibt es keine Maut. Wer mit dem Auto die mehr als 13 Kilometer lange Storebaelt-Brücke überqueren will, zahlt aber 34 Euro. Die Benutzung der Öresund-Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö (Schweden) kostet 48 Euro.

BELGIEN - Autofahrer müssen in Belgien nichts für die Straßennutzung zahlen.

NIEDERLANDE - In den Niederlanden rollen Autos kostenfrei über die Straßen. Die Nutzung einzelner Brücken und Tunnel ist aber gebührenpflichtig.

LUXEMBURG: In Luxemburg gibt es keine Maut.

Freitag

Sturmtief «Egon» zieht über Deutschland

Berlin (dpa) - Das Sturmtief «Egon» hat in Deutschland den Berufsverkehr heftig durcheinander gewirbelt. Autos rutschten auf den Straßen, Schulbusse blieben im Schnee stecken.

Im Raum Oberfranken waren zwischenzeitlich rund 6600 Haushalte ohne Strom. Es gab zahlreiche Unfälle, ein Autofahrer starb auf der A7 bei Handewitt in Schleswig-Holstein. Ursache für den Unfall war vermutlich Glätte, wie eine Polizeisprecherin am Freitagmorgen sagte.

Besonders im Thüringer Wald und in Bayern waren Straßen nach dem Sturm wegen umgestürzter Bäume oder liegen gebliebener Lastwagen gesperrt. Nach Angaben mehrerer Landratsämter in Thüringen blieben Schulbusse in Schneewehen stecken oder konnten Schüler wegen Unfällen auf Straßen nicht zum Unterricht bringen. «Die Situation ist chaotisch», sagte ein Sprecher des Kreises Schmalkalden-Meiningen in Thüringen. Auch in Bayern erreichten einige Schulbus nicht ihr Ziel. Bei Kirchenthumbach wurde ein Schulbus von einer Windböe erfasst und landete in einem Straßengraben. Fünf Kinder sowie der Busfahrer blieben aber unverletzt.

In Sauerland und Eifel bereitete der Schneefall den Lastwagenfahrern erhebliche Probleme. Auf der Autobahn 45 sollten Lastzüge mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht den nächstgelegen Parkplatz ansteuern, empfahl die Autobahnpolizei in Nordrhein-Westfalen. Zwischen Lüdenscheid und Freudenberg bei Siegen liege eine geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn. Die Auffahrten seien für Lastwagen nicht mehr passierbar.

Auch in Teilen Niedersachsens legte Sturmtief «Egon» am Freitagmorgen den Verkehr lahm gelegt. Im Emsland stellten sich Laster quer und Autos rutschten in Gräben. Betroffen war auch der Bahnverkehr. Die Strecke zwischen Hannover und Bremen musste wegen Unwetterschäden gesperrt werden, wie die Bahnmitteilte. Auch in anderen Bundesländern waren Gleise zwischenzeitlich gesperrt, es kam zu Verspätungen. Die Bahn drosselte die Höchstgeschwindigkeit der ICE zudem bis auf weiteres auf Tempo 200.

Am Frankfurter Flughafen wurden 125 Flüge wegen des starken Sturmes annulliert. Am Vormittag entspannte sich die Lage, der Betreiber Fraport rechnete aber weiter mit Verspätungen. Auch am Flughafen Hahn kam es zu Verspätungen. In Leipzig/Halle und Dresden wurden einzelne Flüge gestrichen.

In Nordfrankreich beschädigte ein vom Sturm umgeworfener Baum einen Stromabnehmer: 180 Fahrgäste eines aus Brüssel kommenden Zuges kamen daher mit rund zwölf Stunden Verspätung in Paris an.

Links zum Thema
Unwetterwarnung DWD

Samstag

Schwäbische Reisende nach Busunfall in Tirol wohlauf zurück

Augsburg/Zirl (dpa) - Die Rückfahrt aus dem Italien-Urlaub endete mit einem Schrecken - aber nach dem Zusammenstoß eines Reisebusses aus Augsburg mit einem Auto sind alle Busreisenden wohlbehalten aus Tirol zurückgekehrt.

Ein Ersatzbus habe die 26 Reisegäste, eine Reiseleiterin und die beiden Busfahrer in der Nacht zum Samstag zurück nach Schwaben gebracht, sagte Geschäftsführer Philipp Hörmann von Hörmann Reisen. Allen gehe es soweit gut. Auch der Busfahrer mache einen «gefassten Eindruck». Die aus München stammenden Frauen in dem Auto wurden hingegen schwer verletzt.

Der Doppeldeckerbus war nach Angaben der österreichischen Polizei in Zirl bei Innsbruck auf einer Bergstraße mit einem Auto zusammengestoßen. Dessen 18 Jahre alte Fahrerin und ihre Mutter kamen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser. Sie konnten auch am Samstagnachmittag noch nicht zum Unfallhergang befragt werden.

Fest steht aber: Nach dem Zusammenstoß rollte der Bus auf der stark abschüssigen Straße rückwärts, stieß gegen drei Autos und rollte über den Fahrbahnrand hinaus über eine Böschung. «Da kann man sehen, welche Kräfte wirken», sagte der Notfallbeauftragte des RDA-Busverbands, Johannes Hübner, am Samstag. Dem 49 Jahre alten Busfahrer gelang es, sein Fahrzeug so an Bäume anzulegen, dass es weder umstürzte noch die Böschung komplett hinunterrutschte. Er habe so wohl einen schlimmeren Unfall verhindert, so Hübner.

Hörmann sagte, der Busfahrer arbeite seit mehr als zehn Jahren in seinem Unternehmen. «Er ist ein Routinier auf der Straße.» Nach dem Unfall habe er sich als erstes um die Gäste gekümmert. «Er hat mir gesagt: "Ich wollte nicht wie Kapitän Schettino als erster das Schiff verlassen."» Francesco Schettino war der verantwortliche Schiffsführer beim Unfall des gekenterten Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia.

Dank des Einsatzes des Busfahrers hätten die Menschen das Fahrzeug weitgehend schon verlassen gehabt, als die Polizei anrückte, sagte Hörmann. Er selbst machte sich am Abend noch auf zum Unfallort. Einige Reisende seien in einer Gaststätte versorgt worden, andere ins Krankenhaus gekommen. Das hätten sie aber noch am Abend verlassen können, so dass ein Ersatzbus alle in der Nacht zurückbrachte.

Die Reisenden im Alter von 40 bis 75 Jahren aus der Region Augsburg waren auf dem Rückweg aus dem italienischen Ort Abano Terme, wie Hörmann sagte. Die Tour werde jede Woche gefahren, die Gäste buchten ihre Reisen aber einzeln und seien in unterschiedlichen Hotels untergebracht. Änderungen am Fahrplan werde es nicht geben, sagte Hörmann. «Ich denke auch, der Busfahrer wird eine neue Tour diese Woche fahren, wenn er das möchte.» Für Samstag sei er aber für eine geplante Fahrt ersetzt worden, um sich von dem Unfall zu erholen.

Für den finanziellen Schaden sei das Unternehmen versichert, sagte Geschäftsführer Hörmann. Inwiefern die Versicherung der Autofahrerin belangt werde, sei noch zu klären. «Wir werden unsere Kunden aber natürlich nicht im Regen stehen lassen.»