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Freitag

Vater und Kinder sterben - Tat mit Ankündigung auf Facebook

Unterensingen (dpa) - Absperrbänder flattern vor einer Straße in dem beschaulichen 5000-Seelen-Ort Unterensingen in Baden-Württemberg. Aus einem mehrstöckigen, hellen Wohnhaus mit grauen Fensterläden tragen Männer zwei weiße Särge.

Am Freitagmorgen haben Ermittler hier einen grausigen Fund gemacht: zwei tote Kinder, ein vier Jahre alter Junge und seine acht Jahre alte Schwester. Getötet vom eigenen Vater, so der aktuelle Ermittlungsstand.

Früher am Morgen, kurz vor sieben Uhr, ging der erste Notruf bei der Polizei ein. Eine Anruferin meldet, dass ein Mann außerhalb eines Brückengeländers steht. Rettungskräfte rücken an, können aber nicht mehr verhindern, dass sich der Mann in den Tod stürzt. Erst danach werden die Ermittler zum Wohnhaus des 45-Jährigen gerufen, wo sie die Kinderleichen entdecken. Die Mutter bekommt psychologische Hilfe.

Die Polizei spricht von einem Familiendrama. Wie konnte es so weit kommen? Auf seiner Facebookseite postete der Mann noch am Morgen - offenbar kurz vor seinem Sprung - mehrere Beiträge und schilderte darin seine Sicht. Seine Frau habe seit mehreren Monaten eine Affäre, schrieb er. «Die Vorstellung, dass ich unsere Kinder nicht mehr jeden Tag sehe, dass ein anderer Mann sie anfasst, sie ins Bett bringt, sie in den Schlaf streichelt bringt mich um den Verstand.» Reicht das als Motiv aus, um seine eigene Familie auszulöschen? Viele äußern sich auf der Facebook-Seite fassungslos.

Die Polizei will sich zu den Hintergründen der Tat nicht äußern, bestätigt aber, dass sie soziale Medien in ihre Ermittlungen miteinbezieht. Die Ermittler äußerten sich auch nicht dazu, wie und wann genau der Junge und das Mädchen ums Leben kamen - und ob die Mutter ihre toten Kinder selbst fand.

Eine Obduktion Anfang nächster Woche soll Licht in die Todesumstände bringen. Eine Erklärung für die Familientragödie wird sie nicht liefern.

Immer wieder schockieren Fälle in Deutschland, in denen Väter ihre eigenen Kinder umbringen. In Hamburg fand die Polizei im März die Leichen eines 53-Jährigen und seines neun Jahre alten Sohnes - beide starben an einer Vergiftung.

Im vergangenen Jahr tötete ein zur Tatzeit ebenfalls 53-Jähriger in Ravensburg seine Frau und seine zwei Stieftöchter mit Beil und Messer. Der Mann nahm sich in der Untersuchungshaft das Leben.

Ebenfalls 2016 soll ein damals 42-Jähriger in Munderkingen versucht haben, seinen sechs Jahre alten Sohn und sich selbst mit einem Holzkohlegrill umzubringen, den er im Schlafzimmer entzündete. Der Junge starb ab einer Kohlenmonoxidvergiftung. Der Vater überlebte.

Mittwoch

Schnee und Eis bringen Behinderungen im Süden

München (dpa) - Das wechselhafte April-Wetter hat am frühen Mittwoch erneut Behinderungen auf den Straßen im Süden Deutschlands gebracht. Vielerorts in Bayern hatten Autofahrer mit rutschigen und schneebedeckten Straßen zu kämpfen. Größere Unfälle wurden aber zunächst nicht bekannt.

Am Dienstagabend hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) vor Glätte in weiten Teilen des Freistaats gewarnt. Am Dienstagnachmittag waren in Niederbayern bei einem durch Blitzeis ausgelösten Serienunfall mit zwölf Fahrzeugen mehrere Menschen verletzt worden.

Richtig frostig war es auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze: Dort wurden minus 17 Grad registriert. In den deutschen Alpen herrscht weiter erhebliche Lawinengefahr.

Auch in Baden-Württemberg müssen sich die Menschen am Mittwoch auf Niederschlag mit Schnee, Schneeregen oder Graupel einstellen, gegen Nachmittag lässt sich dann die Sonne häufiger blicken. Am Dienstagabend geriet eine 25-Jährige bei Meßstetten mit ihrem Wagen, an dem sie schon Sommerreifen montiert hatte, ins Schleudern und stieß mit einem Lastwagen zusammen. Sie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Dienstag

Wo liegt die Zukunft des Fahrrads?

Mannheim (dpa) - 200 Jahre nach Erfindung des Fahrrads soll im oft heiklen Miteinander von Autofahrern, Radlern und Fußgängern alles besser werden. Viel öfter Tempo 30 in der Stadt, frühere Verkehrserziehung für Kinder und eine stärkere Digitalisierung sind Kernforderungen von Experten.

Sie sollen im Autoland Deutschland die Lust aufs Radeln weiter erhöhen und die Zahl der Verkehrstoten senken. Radfahren boomt, aber die Behörden verschlafen den Trend, kritisiert jedoch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC): Fahrradförderung sei mehr als das Aufmalen von bunten Streifen und Bildchen auf die Straße.

Doch wie sieht das Radfahren der Zukunft aus? Darüber diskutieren seit Montag Dutzende internationale Experten bei einem großen Kongress in Mannheim. Der Veranstaltungsort des zweitägigen Symposiums ist kein Zufall: In der badischen Stadt erfand Karl Freiherr von Drais vor 200 Jahren den Vorläufer des Fahrrads. Mit seiner Laufmaschine, mit der er am 12. Juni 1817 die erste Fahrt unternahm, hatte der gebürtige Karlsruher zwar kaum wirtschaftlichen Erfolg. Aber er gab den Anstoß zu einer neuen Art der Fortbewegung.

«Es ist viel getan worden, um Platz für Radfahrende zu schaffen. Das ist gut so und fördert die gegenseitige Akzeptanz», sagt Jürgen Gerlach von der Uni Wuppertal. Er stellt sein Projekt «Fresh Brains» in Mannheim vor. Dazu untersuchten Studenten aus Wuppertal und Breda (Niederlande) vier deutsche Kommunen. «Alle Städte haben positiv überrascht. Wuppertal ist noch keine Fahrradstadt - aber sie hat das Vorzeigeprojekt Nordbahntrasse, das extrem gut angenommen wird. Chemnitz und Kassel haben gute Radinfrastruktur. Und Mönchengladbach hat engagierte Bürger», sagt Gerlach. Dies zeige, dass sich abseits der klassischen Radfahrstädte Münster und Freiburg viel bewege.

«Im internationalen Vergleich ist Deutschland sicher ein Fahrradland, wir haben aber noch viel Luft nach oben», sagt Frederic Rudolph vom Wuppertal-Institut. Er plädiert unter anderem für möglichst viele Tempo-30-Zonen. «Davon würde das Rad profitieren», meint der Leiter des «Flow»-Projekts, das Verkehrsfluss und Stauvermeidung analysiert. Grundsätzlich sieht Rudolph Bedarf für mehr Rücksicht im Verkehr: «Das brächte mehr Sicherheit, von der besonders das Rad profitiert.»

Etwa elf Millionen Menschen treten täglich in die Pedale, schätzt der ADFC. Doch politische Mutlosigkeit und rein kosmetische Lösungen verhinderten, dass das Radfahren in Deutschland noch weiter vorankomme. 15 Prozent Radverkehrsanteil habe sich die Bundesregierung bis 2020 vorgenommen, er stagniere aber derzeit bei unter 12 Prozent. Zum Vergleich nennt der ADFC das Nachbarland Niederlande, wo der Anteil bei 27 Prozent liege.

Anlässlich der Mannheimer Tagung bekräftigt Staatssekretär Norbert Barthle den Plan neuer Fahrradwege für Pendler. «Erstmals fördert der Bund im Jahr 2017 besondere Radschnellwege mit zusätzlichen 25 Millionen Euro», sagte er der «Rheinischen Post». Geplant sind «kleine Fahrradautobahnen» ohne Ampeln und Kreuzungsverkehr.

Aufgrund der teilweise hügeligen Landschaft konnte Deutschland - etwa im Vergleich zu den Niederlanden - bisher nur bedingt ein Fahrradland sein, meint Björn Offermann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Elektroräder (E-Bikes und Pedelecs) hätten dies verändert. «Nun sind wir - wie ich finde - auf einem guten Weg», sagt Offermann, der in Mannheim Lastenräder mit Brennstoffzellenantrieb (FCREX) vorstellt. Pedelecs können damit größere Lasten transportieren, längere Distanzen mit höherem Tempo bewältigen sowie in hügeligen Regionen und bei niedrigeren Umgebungstemperaturen eingesetzt werden.

Förderung soll aber auch Menschen zugutekommen, die sich Räder nur leihen. «Wir wollen Mieträder aufstellen, wo sie gebraucht werden - und das zu effizienten Kosten beim Verteilservice», sagt Michael Kraus von der MVGmeinRad aus Mainz. Der Schlüssel ist eine sogenannte Rebalancing App. Die Software zeigt etwa den jeweiligen Bedarf an Rädern an. Doch Technik sei nur eine Seite der Medaille, unterstreicht auch Kraus: «Verkehrserziehung in der Gesellschaft ist eine Daueraufgabe - das Miteinander im Verkehr gelingt nur gemeinsam.»

Auch fern der Städte nimmt das Radfahren stetig zu. «Im Berufs- und Alltagsverkehrs wird Deutschland noch längere Zeit Autoland bleiben, auch wenn sich erste Tendenzen zur Umorientierung erkennen lassen. Im Freizeitbereich ist Deutschland ganz eindeutig Fahrradland», sagt Jannik Müller vom Verein Sauerland-Radwelt. Schon jetzt gebe es Tourismusregionen mit hochwertigen Angeboten. Der Kongress in Mannheim unterstreiche, dass das Potenzial längst nicht ausgeschöpft sei.

Montag

Morde in Kufstein und Endingen: Polizei prüft Fernrouten

Endingen (dpa) - Auf der Suche nach dem zweifachen Mörder von Kufstein und Endingen untersucht die Polizei die Verbindungen zwischen den beiden Orten in Österreich und Baden-Württemberg. Pendler- und Fernfahrerrouten würden eingehend überprüft, sagte ein Polizeisprecher in Freiburg.

Dazu bitten die Beamten auch um Hinweise. Die Verbindung zwischen zwei Orten und Taten sei die wesentliche Spur, die zum Täter führen könne.

Der Unbekannte hatte den Ermittlungen zufolge im Januar 2014 im österreichischen Kufstein eine 20 Jahre alte französische Studentin mit einer Eisenstange erschlagen. Im November vergangenen Jahres soll er im rund 400 Kilometer entfernten Endingen bei Freiburg eine 27 Jahre alte Joggerin getötet haben. In beiden Fällen wurden die Opfer sexuell missbraucht.

An den zwei Orten wurden identische DNA-Spuren eines unbekannten Mannes gefunden. In Österreich diente ihm laut Polizei als Tatwaffe eine Eisenstange, die im Lkw-Gewerbe genutzt wird. Gesucht werde daher verstärkt in der Lastwagen- und Speditionsbranche. Daten zur Erfassung der Lkw-Maut auf Autobahnen könnten die Ermittler nicht nutzen. Dies erlaubten die Gesetze nicht, sagte der Sprecher. Bei der Suche nach dem Unbekannten arbeite die Polizei grenzüberschreitend eng zusammen, hieß es weiter.

Einen Bericht der «Bild am Sonntag», wonach die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit einer weiteren Tat im hessischen Hanau prüft, wollten die Ermittler am Sonntag nicht kommentieren.

Im Endinger Fall wurde die Tatwaffe bislang nicht gefunden. Die Ermittler gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass der Täter auch hier eine Eisenstange nutzte. Für entscheidende Hinweise sind in diesem Fall nach Angaben der Staatsanwaltschaft insgesamt 28 500 Euro Belohnung ausgesetzt. Laut «Badischer Zeitung» hat die Polizei seit Bekanntwerden der Verbindung zwischen den beiden Fällen schon gut 100 neue Hinweise erhalten.

Das von der österreichischen Polizei 2014 veröffentlichte Phantombild des Gesuchten verwende die deutsche Polizei bewusst nicht, sagte Polizeisprecher Walter Roth. Es sei drei Jahre alt und entstanden nach Angaben einer Zeugin, die den Täter im Dunkeln nur Sekundenbruchteile gesehen habe. Es sei für den Fall in Endingen daher nicht unbedingt aussagekräftig und könnte Zeugen in die Irre führen. So könnte der kleine Bart auf dem Phantombild auch ein Schatten gewesen sein. Die Ermittler müssten davon ausgehen, dass sich das Aussehen des Täters mittlerweile verändert habe. Zudem sei die Kleidung nicht mehr aktuell.

Einen Zusammenhang zu einem Sexualmord an einer 19 Jahre alten Studentin Mitte Oktober in Freiburg sehen die Ermittler nicht. Verdächtig in diesem Fall ist ein junger Flüchtling aus Afghanistan. Er sitzt seit seiner Festnahme Anfang Dezember in Untersuchungshaft.

Donnerstag

Kretschmann für weitere Amtszeit von Merkel

Berlin/Stuttgart (dpa) - Kurz vor dem Grünen-Parteitag hat sich der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für eine weitere Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgesprochen - und damit Empörung in der eigenen Partei ausgelöst.

«Wir wollen Merkels große Koalition ablösen und werden dabei ganz bestimmt keine Vorfestlegungen auf etwaige Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten vornehmen», sagte Grünen-Chefin Simone Peter der «taz». Ihr Co-Vorsitzender Cem Özdemir warnte eindringlich vor Koalitionsdebatten zum jetzigen Zeitpunkt.

Kretschmann hatte am Mittwochabend in der ARD-Sendung «Maischberger» für eine erneute Kanzlerkandidatur der CDU-Vorsitzenden Merkel plädiert. «Das fände ich sehr gut», sagt er. Aus seiner Sicht sei die Kanzlerin «sehr wichtig in der europäischen Krise». Der Kurs, den sie fahre, sei richtig. «Ich wüsste auch niemand, der diesen Job besser machen könnte als sie.»

In der Berliner Parteispitze stieß dies umgehend auf Widerstand. «Es bleibt dabei: Wir führen jetzt keine Koalitionsdebatten, sondern konzentrieren uns darauf, unser Wahlergebnis zu verbessern, indem wir deutlich mehr Menschen gewinnen als bei der letzten Bundestagswahl», sagte Özdemir der Deutschen Presse-Agentur. «Wie sich die Konkurrenz aufstellt und wen sie aufstellt, darauf haben wir keinen Einfluss.»

Peter betonte, bei der Bundestagswahl 2017 träten die Grünen «für einen Politikwechsel» ein. Fraktionschef Anton Hofreiter bekräftigte: «Wir Grünen bleiben bei unserem Kurs der Eigenständigkeit. Das heißt: Wir werben für uns und nicht für irgendein Bündnis.» Er fügte hinzu: «Dann schauen wir mal, welche Mehrheiten es gibt und mit wem wir unsere Inhalte durchsetzen können.»

Hintergrund ist die schwelende interne Diskussion, ob die Partei eher auf Rot-Rot-Grün oder Schwarz-Grün setzen soll. Die Grünen wollen auf ihrem Parteitag vom 11. bis 13. November in Münster über ihre Ausrichtung debattieren.

Kritik an Kretschmann kam auch aus dem Südwesten. Der baden-württembergische Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand sagte, es gebe keinen Grund, Merkel über den «grünen Klee» zu loben. «Die Blockadehaltung der Union beim Klimaschutz mit Angela Merkel an der Spitze ist ökologisch verantwortungslos und ein Armutszeugnis.»

Spott kam von der Linken. Parteichef Bernd Riexinger kommentierte Kretschmanns Merkel-Lob süffisant auf Twitter: «Wie ein BVB-Fan der Schalke die Daumen drückt. Völlig absurd! Vielleicht sollte er die Mannschaft wechseln.»

Die Grünen stünden jetzt vor einer Richtungsentscheidung, sagte Riexinger der Deutschen Presse-Agentur. «Kretschmann ist ein überzeugter Anhänger von Schwarz-Grün, der versucht, die Partei in Richtung Schwarz-Grün zu orientieren.» Die Mehrheit der Partei sei aber wohl nicht dafür, weil viele wüssten: «Wer mit Merkel ins Bett geht, wacht mit Seehofer im Arm auf.»

Es ist nicht das erste Mal, dass Kretschmann seine politische Nähe zur CDU-Vorsitzenden zeigt. Im Sommer drang die Nachricht eines vertraulichen Treffens mit der Kanzlerin an die Öffentlichkeit. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Kretschmann im Januar, als er sagte: «Welcher ihrer Amtskollegen in der EU soll denn Europa zusammenhalten, wenn sie fällt? Da ist weit und breit niemand in Sicht. Deshalb bete ich jeden Tag dafür, dass die Bundeskanzlerin gesund bleibt.»