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Montag

UN-Klimagipfel in Madrid: Trotz Verlängerung der Konferenz kaum Ergebnisse

Die 25. UN-Klimakonferenz ging am Sonntag in Madrid zu Ende. Trotz einer zweitägigen Verlängerung kam es zu keiner Einigung im Emissionsrechtehandel. Enttäuschung und Appelle zu verstärkten Anstrengungen sind die Reaktionen auf die magere Bilanz des Gipfels.

Die 25. Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen (COP25), die in Madrid tagte, schloss nach einer zweitägigen Verlängerung am Sonntag, ohne Vereinbarungen über Artikel 6 des Pariser Übereinkommens zur Regulierung des Handels mit Emissionszertifikaten zu treffen. Diese wichtige Debatte wurde auf das nächste Jahr vertagt.

Das Plenum aus Vertretern von rund 200 Staaten einigte sich auf andere Punkte, wie die Umsetzung eines Gender-Aktionsplans zum besonderen Schutz von Frauen vor dem Klimawandel oder die Erneuerung des Schutzmechanismus für die schwächsten Länder. Die Parteien einigten sich auch darauf, bis 2020 größere Anstrengungen bei den nationalen Klimaschutzplänen – den sogenannten NDCs – zu fordern.

Diese Vereinbarungen können allerdings nicht das allgemeine Gefühl des Scheiterns auf dem Gipfel verbergen, der nach der zweitägigen Verlängerung zur bisher längsten UN-Klimakonferenz wurde.

Heute stehen unsere Länder weiter in der Schuld des Planeten", sagte die Präsidentin des Gipfels, die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt.

In ihrer Abschlussrede auf der Konferenz erinnerte Schmidt daran, dass "die Welt zusieht" und "konkrete Lösungen erwartet", um den globalen Temperaturanstieg zu reduzieren, was ihrer Ansicht nach in Madrid nicht erreicht wurde.

Heute sind wir nicht zufrieden. Die von den Parteien getroffenen Vereinbarungen reichen nicht aus, um die Klimakrise mit einer Einstellung der Dringlichkeit anzugehen. Es gibt immer noch keinen Konsens darüber, die Anstrengungen auf das erforderliche Niveau zu erhöhen", fügte sie hinzu.

Größere Anstrengungen

Einer der Kernpunkte der Diskussionen in Madrid war die Formulierung einer Petition, um die Länder zu ermutigen, die Ziele ihrer Klimaschutzpläne bis 2020 zu erhöhen. Das Pariser Abkommen verpflichtet seine Unterzeichner, Pläne zur Emissionsreduzierung vorzulegen, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius (vorzugsweise bei rund 1,5 Grad Celsius) vor Ende des Jahrhunderts einzudämmen.

Wissenschaftskreise warnten wiederholt davor, dass mit den aktuellen Reduktionsplänen der Temperaturanstieg am Ende des Jahrhunderts mindestens über drei Grad liegen wird, was einen eklatanten Verstoß gegen das Pariser Abkommen darstellen würde.

Während des Gipfels drängten sowohl die Europäische Union als auch die meisten lateinamerikanischen Länder und kleinen Inselstaaten auf konkrete Vereinbarungen über verstärkte Anstrengungen, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. In diesem Sinne bündelt die von der chilenischen Präsidentschaft geförderte Allianz für Klimaanstrengungen (Alianza de la Ambición Climática) die Unterstützung von 103 Ländern, die sich verpflichtet haben, bis 2020 ehrgeizigere NDCs zu verabschieden.

An dieser Initiative nehmen allerdings entscheidende Länder nicht teil: Die größten Emittenten von Treibhausgasen und die größten Produzenten von fossilen Energieträgern wie China, Indien, die USA, Russland, Kanada und Saudi-Arabien. Diese Staaten verweigerten sich während der Konferenz spezifischen Verpflichtungen für einen größeren Umfang der NDCs im Jahr 2020.

Schließlich endete der Klimagipfel mit einer Abschlusserklärung, in der die Länder "ermutigt" wurden, "die Gelegenheit zu nutzen", ihre Emissionsminderungen angesichts der "Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels" zu erhöhen. Eine Forderung mit rhetorischem Charakter, die zudem keinen Zeitplan beinhaltet, um die Länder zu verpflichten, ihre Pläne in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 vorzulegen.

Die Frage eines konkreten Datums mag nebensächlich erscheinen. Doch wenn die Länder ihre Klimaschutzpläne ohne ausreichenden zeitlichen Vorlauf für eine eingehende Analyse durch den IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) vorstellen, kann es dazu kommen, dass die internationale Gemeinschaft beim nächsten Klimagipfel 2020 in Glasgow keine genauen Erkenntnisse darüber hat, welche globalen Auswirkungen die nationalen Pläne auf die Temperatur des Planeten haben.

Artikel 6

Das Hauptthema auf der Tagesordnung in Madrid war die Umsetzung von Artikel 6 des Pariser Abkommens, der sich hauptsächlich auf die Regulierung des Emissionshandels konzentriert, aber auch andere Themen wie die Planung von Projekten zur Emissionsminderung ähnlich dem Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls umfasst.

Schließlich konnten sich die Gipfelteilnehmer nicht darauf einigen, wie Mechanismen geschaffen werden können, um beim Emissionsrechtehandel – durch den die Länder Emissionsgutschriften untereinander übertragen werden – Doppelzählungen zu verhindern oder um sicherzustellen, dass Minderungsprojekte auch Garantien für Menschenrechte und Umweltwirksamkeit beinhalten.

Infolgedessen haben die Parteien – wie beim letztjährigen Gipfel in Kattowitz – lediglich Fortschritte bei einigen technischen Aspekten erzielt, so dass Artikel 6 schließlich auf der COP26 in Glasgow weiterverhandelt wird.

Wir wollten einen Artikel 6 abschließen, der es uns ermöglichen würde, einen stabilen CO2-Markt mit ökologischer Integrität zu implementieren, konzentriert auf die Erzeugung von Ressourcen, die es uns ermöglichen würden, uns auf eine nachhaltige und klimaresistente Entwicklung zuzubewegen (....) Es ist schade, dass wir keine endgültige Einigung erzielt haben", sagte Carolina Schmidt.

Reaktionen

Mehrere Umweltorganisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft äußerten ihre Wut über die Unfähigkeit der COP25, Fortschritte in multilateralen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels zu erreichen. Andere Akteure waren jedoch erleichtert, dass die Fragen zu Artikel 6 endlich verschoben wurden. Ihrer Meinung nach seien die Bedingungen, unter denen die Verhandlungen geführt wurden, nicht ermutigend gewesen.

Glücklicherweise wurden die schwachen Regeln für Marktmechanismen, die von Brasilien und Australien unterstützt wurden und die die Bemühungen zur Emissionsreduzierung untergraben hätten, nicht berücksichtigt", sagte Mohamed Adow, Direktor von Power Shift Africa.

Der Ministerpräsident des Gastgeberlandes Spanien, Pedro Sánchez, erklärte, dass der Madrider Klimagipfel "kompliziert" gewesen war, und forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich zukünftig stärker für Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Mario Rodríguez, Exekutivdirektor von Greenpeace Spanien, bezeichnete den Gipfel seinerseits als gescheitert und wies darauf hin, dass "die politische Klasse für den sozialen und wissenschaftlichen Ruf taub ist, der eine dringende und energische Reaktion auf die Klimakrise erfordert". 

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse und auch von Deutschland. Der Jugendbewegung "Fridays for Future" und anderen Klimaschützern sei offensichtlich nicht zugehört worden, sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur:

Wir haben ein Jahr lang alles gegeben, um den Stand der Wissenschaft und die Bereitschaft der Menschen auf die Straße zu tragen. Es stellt sich die ernsthafte Frage, was wir denn noch machen sollen.

Neubauer ist eines der führenden Mitglieder von "Fridays for Future" und trat in Madrid gemeinsam mit der Schwedin Greta Thunberg auf.

Irritiert sei sie aber weniger von Staaten wie den USA und Brasilien, die bei den Verhandlungen gebremst hätten, sagte Neubauer – sondern von Staaten wie Deutschland, aber auch der EU, deren Job es gewesen wäre, "zu beweisen, dass sie verstanden haben, dass sie diese Tage in der Verantwortung stehen, internationalen Klimaschutz voranzubringen, trotz und wegen aller bekannten Schwierigkeiten".

Grünen-Fraktionschef Hofreiter sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

Gerade weil die Ergebnisse des Klimagipfels enttäuschend sind, muss Deutschland jetzt erst recht eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen.

Die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum sagte der Welt, Deutschland dürfe sich von Bremser-Staaten nicht lähmen lassen. Nun müssten sich die Vorreiter-Staaten zusammenschließen und zeigen, dass es auch anders gehe. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dagegen der Rheinischen Post, leider könne Deutschland die internationale Vorreiterrolle nicht einnehmen, weil die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung angesichts ihrer verfehlten Klimaziele beschädigt sei.

Der Klimaforscher Latif plädierte für eine "Koalition der Willigen", um Blockaden bei den UN-Klimaverhandlungen zu überwinden. Latif schlug vor, dass sich die EU, deren Vorhaben zur Klimaneutralität bis 2050 er lobte, Partner wie China suchen. In einem solchen Vorgehen steckten auch enorme wirtschaftliche Chancen.

Wenn sich die ökonomischen Hoffnungen erfüllen, dann werden auch die Blockiererländer wieder offen für Klimaschutz sein", sagte Latif der Frankfurter Rundschau.

Der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler sagte der Welt, es müsse weiter miteinander geredet werden. Enttäuscht über den Ausgang des Gipfels zeigte sich auch die Linke. Parteichefin Katja Kipping sprach in der Welt von einer "Schande". Die neue Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sagte der Welt, es sei "erschreckend", dass die Interessen der "Reichen und Mächtigen", mit einem klimaschädlichen Wirtschaftssystem weiter ungestört Profit zu machen, offenbar immer noch wichtiger seien, als das Interesse der Allgemeinheit nach einem intakten Planeten.

Entwicklungsminister Müller räumte ein: "Madrid war enttäuschend". Dennoch müsse gehandelt werden, etwa zur Einlösung des 100-Milliarden-Versprechens der Industrieländer zur Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsstaaten ab 2020.

Die G20 Staaten sind in der Verpflichtung zu handeln und müssen dazu nicht auf die nächste COP warten", mahnte der CSU-Politiker in Berlin.

Klimawandel sorgt für schädlichen Teufelskreis in den Wäldern

Der Klimawandel setzt für die weltweiten Waldbestände einen Teufelskreis in Gang. Immer wieder gibt es regional Starkregen, der den Waldboden aufweicht. Die Wurzeln der Bäume finden weniger Halt und stürzen durch – ebenfalls immer häufiger auftretende – Stürme um. Die Menge an Totholz nimmt also zu. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen für Insekten wie den Borkenkäfer, der sich weit schneller als üblich vermehrt. Sie fallen über die verbliebenen Bäume her und zerstören diese, sodass es noch mehr Totholz und in der Folge noch mehr Insekten gibt, die dem Wald schaden.

Massive Störungen nehmen noch zu

Dieses Schreckensszenario haben Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIL) gezeichnet. Sie und Kollegen aus aller Welt werteten rund 600 Forschungsarbeiten aus den vergangenen 30 Jahren aus. „Unsere Studie zeigt, dass der Klimawandel Störfaktoren auf der ganzen Welt maßgeblich beeinflusst – und dass in nächster Zeit mit einem weiteren Anstieg von Störungen im Wald zu rechnen ist“ sagt Rupert Seidl von der Universität für Bodenkultur in Wien, der Leitautor der Studie.

Die Wälder nutzen den Menschen immer weniger

„Grundsätzlich sind natürliche Störungen wie Brände, Insektenbefall oder Stürme ein normaler Teil dieser Ökosysteme“, sagt Projektleiter Christopher Reyer vom PIK. Wenn der Wald durch natürliche Störungen etwas durcheinander gerate könne das sogar gut sein, weil die natürliche Erneuerung zu mehr Artenvielfalt führe. „Doch diese gewohnten Störungen haben sich in den letzten Jahren durch den Klimawandel bereits verändert“, so Reyer. „Das hat Folgen für die Fähigkeit des Waldes, den Menschen nützlich zu sein – zum Beispiel mit seinem Holz, als Schutz vor Lawinen oder auch einfach als Erholungsraum.“ Langfristig, so seine Befürchtung, könnten sich die gravierend verändern.

Beispiele: Waldbrände und Orkan Kyrill

In den vergangenen Jahren habe es bereits außergewöhnlich schwere Störungen gegeben, etwa großflächige verheerende Waldbrände in Kanada und Russland. Auch der Orkan Kyrill im Jahr 2007 passt in dieses Szenario, der riesige Waldflächen zerstörte und Verwüstungen in bewohntem Gebiet anrichtete. Die Schäden lagen nach Schätzungen bei einer Milliarde Euro.

Dienstag

Klimawandel: Methan kann gut für das globale Klima sein

Ein verblüffendes Ergebnis hat die Forschungsfahrt eines internationalen Wissenschaftlerteams nach Spitzbergen gebracht. Methan, eigentlich ein weitaus gefährlicheres Klimagas als Kohlendioxid (CO2), sorgt dafür, dass der Ozean gigantische Mengen an CO2 schluckt, den Klimawandel also verlangsamt. Die Wissenschaftler, darunter Vertreter des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung (Geomar) in Kiel, unternahmen ihre Messfahrt mit dem norwegischen Forschungsschiff Helmer Hanssen.

2000 Mal mehr Kohlendioxid

Vor der Küste der Inselgruppe im hohen Norden gibt es am Meeresboden mehrere natürliche Methanquellen. Das Team interessierte sich für den Gasaustausch zwischen Meer und Atmosphäre. Ausgerechnet über den Methanquellen, so das Ergebnis der Messungen, absorbierte der Ozean 2000 Mal mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre als Methan umgekehrt in die Atmosphäre gelangte. „Sogar wenn man die stärkere Treibhauswirkung des Methans herausrechnet, haben wir in diesen Bereichen also eine negative Wirkung auf den Treibhauseffekt“, sagt Geomar-Professor Jens Greinert, der an der Messfahrt teilnahm.

Die Methanquellen vor Spitzbergen liegen in einer Tiefe von 80 bis 2600 Metern. Die Analyse der gewonnenen Daten bestätigte, dass das Methan von den in Wassertiefen von 80 bis 90 Metern gelegenen Blasenquellen die Atmosphäre erreicht. Allerdings zeigten die Daten auch, dass die obersten Wasserschichten große Mengen an Kohlendioxid absorbierten. „Die CO2-Aufnahme über den Methanquellen war deutlich größer als in benachbarten Seegebieten, wo kein Methan aus dem Meeresboden entweicht“, so Greinert.

Algenwachstum beschleunigt

Ursache dieses scheinbaren Widerspruchs sind Algen, die Sonnenlicht nutzen, um Biomasse zu erzeugen. Dazu brauchen sie zusätzlich Kohlendioxid und Dünger, der ihnen in Form von Methan über den Unterwasserquellen und nährstoffreichem Wasser, das die Bläschen an die Oberfläche transportieren, reichlich zur Verfügung steht.

„Wenn das, was wir in der Nähe von Spitzbergen beobachtet haben, auch an anderen Orten vorkommt, könnte es bedeuten, dass Gebiete mit natürlichen Methan-Quellen in flachen Randregionen der Ozeane nicht notwendigerweise einen wärmenden Effekt auf das Klima haben, sondern es durch die deutlich größere CO2-Aufnahme zu einem kühlenden Effekt kommt“, meint Professor John Pohlman vom U.S. Geological Survey, der ebenfalls beteiligt war. Das wiederum würde bedeuten, dass die Modelle, mit denen die Klimaveränderungen prognostiziert werden, angepasst werden müssten.

Montag

Bericht: Grüne wollen bundesweit einheitliches Müllsystem

Berlin (dpa) - Die Grünen wollen bei einer möglichen Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl ein neues Müllsystem einführen und den Gelben Sack abschaffen. «Mülltrennen soll einfacher werden», sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt der «Bild am Sonntag».

«Wir Grünen wollen ein bundesweit einheitliches Müll- und Recyclingsystem. Wir wollen die deutschlandweite Wertstofftonne einführen. In die kommt alles rein, was recycelt werden kann: von der Bratpfanne bis zum Joghurtbecher.» Dadurch könnte man 450 000 Tonnen Müll im Jahr zusätzlich recyceln. Den Gelben Sack «schaffen wir ab», sagte die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag.

Die Spitzenkandidatin übte zugleich Selbstkritik am bisherigen Wahlkampf ihrer Partei: «Wir haben die Bedeutung unserer Themen bislang nicht richtig vermitteln können. Wir gehen jetzt direkt zu den Leuten, auch an die Haustür. So drehen wir den Trend um.» Beim Kampf gegen das Umfragetief will Göring-Eckardt konsequent auf Öko-Themen setzen: «Wenn ich mir die Klimaerhitzung anschaue, dann ist die Kacke wirklich am Dampfen.»

Abgasskandal: Das Kraftfahrt-Bundesamt bekommt eine eigene Teststrecke

Für das Autoland Deutschland brachte der Abgasskandal des Volkswagen-Konzerns einen erheblichen Imageschaden mit sich. Vor allem, weil es nicht die deutschen Behörden waren, die dem Konzern auf die Schliche kamen. Vielmehr mussten erst die amerikanischen Umweltbehörden eigene Messungen durchführen, um zu erkennen, dass Manipulationssoftware zum Einsatz kam. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hingegen besitzt bisher nicht einmal eine eigene Teststrecke und musste solche Aufträge an Organisationen wie den Tüv oder die Dekra abgeben. Ein Modell, das sich im Zuge des VW-Skandals als unwirksam erwies. Zukünftig soll sich dies daher ändern: In Schleswig-Holstein wird für das Kraftfahrt-Bundesamt auf einem alten Bundeswehr-Flughafen eine geeignete Teststrecke gebaut.

Mobile Endgeräte sollen zudem realistische Werte ermitteln

Ähnlich wie bei Dopingkontrollen im Sport sollen dort dann unangemeldete Abgaskontrollen bei den Fahrzeugen stattfinden. Allerdings werden dafür keine Privatautos genutzt, sondern Fahrzeuge von Autovermietern und Neuwagen. Zudem erhält das Kraftfahrt-Bundesamt ein eigenes Labor mit Prüfständen, um weitere Tests durchführen zu können. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zukünftige Manipulationen deutlich schneller entdeckt werden. Die Messungen auf der Teststrecke stellen zudem nur einen Teil der neuen Überprüfungen dar. Zusätzlich wurden auch noch zwei mobile Prüfgeräte angeschafft. Diese können auf der Rückseite der Fahrzeuge installiert werden und messen dann die tatsächlichen Abgaswerte während der normalen Fahrten im Straßenverkehr. Für gewöhnlich liegen diese deutlich höher als bei normierten Fahrten auf einer Teststrecke.

In zahlreichen Städten drohen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Inzwischen wurden die entsprechenden Schulungen für Mitarbeiter des Bundesamtes abgeschlossen, sodass die mobilen Prüfgeräte zeitnah zum Einsatz kommen können. Ob dies allerdings ausreicht, den Vertrauensverlust, den die Diesel-Technologie durch die Tricksereien von VW erlitten hat, zu kompensieren, ist fraglich. Zahlreiche Städte haben jedenfalls bereits angekündigt, ab dem Jahr 2025 Dieselfahrzeuge aus dem Stadtverkehr zu verbannen. Dazu gehören unter anderen die europäischen Städte Paris, Athen und Madrid. Die Maßnahme soll dazu beitragen, die Luftqualität in den Städten zu verbessern. Die Feinstaubbelastung liegt dort jeweils deutlich höher als von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlen.

Dienstag

Neuer Virustyp bei Geflügelpest nachgewiesen

Kiel (dpa) - In Schleswig-Holstein ist erstmals in einem Hausgeflügelbestand in Europa eine neue Variante der Geflügelpest festgestellt worden.

Wie das Landwirtschaftsministerium am Montag mitteilte, wies das nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei Tieren aus einem Putenzuchtbetrieb im Kreis Steinburg den hochpathogenen Erreger des Subtyps H5N5 nach. In zwei Haltungen müssen demnach zusammen mindestens 18.400 Tiere getötet werden, damit sich die Seuche nicht weiter ausbreitet.

Mit dem Virus sei nach FLI-Einschätzung genauso umzugehen wie mit dem bisher wiederholt aufgetretenen hochaggressiven Subtyp H5N8, sagte eine Ministeriumssprecherin. H5N5 sei bisher nur bei Wildvögeln in den Niederlanden, in Montenegro, Italien und Kroatien sowie jetzt auch bei einer Nonnengans in Brunsbüttel festgestellt worden, aber noch nie in einer geschlossenen Anlage wie nun im südwestlichen Schleswig-Holstein.

«Also sind wir wieder einmal die ersten», sagte der Kieler Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Montagabend. «Dieser Befund zeigt, wie dynamisch das Geflügelpestgeschehen ist. Das Virus ist weiterhin vorhanden und verändert sich.» Solche Veränderungen würden immer wieder passieren.

In zwei anderen Haltungen des Betriebs im Kreis Steinburg wurde bisher kein entsprechendes Virus festgestellt. Aus Sicht von Landrat Torsten Wendt ist es aber hoch wahrscheinlich, dass auch diese Haltungen betroffen sein werden. «Dieser Betrieb arbeitet hochprofessionell und extrem zuverlässig», sagte Wendt. Der Virus-Ausbruch dort sei eine Katastrophe. Der Betrieb hielt bisher insgesamt rund 33.000 Puten.

Dass die zwei Haltungen vom Virus betroffen sind, stand Wendt zufolge am Sonntagabend gegen 22.00 Uhr fest. Dann seien sofort entsprechende Maßnahmen eingeleitet worden. Um welchen Subtyp es sich handelt, war laut Ministerium bis Montagmittag noch nicht klar.

In der ersten betroffenen Haltung mit rund 3400 Tieren waren am Samstag erste Tiere gestorben, innerhalb von 48 Stunden war mehr als die Hälfte verendet. An einer nahegelegenen Haltung des Betreibers mit etwa 15.000 Tieren wurden die ersten Puten am Montagfrüh verendet aufgefunden. Wie das Virus in die Anlage gelangte, blieb zunächst unklar.

Die Tests werden unterdessen weiterausgedehnt. «Wir ziehen zusätzliche Tierärzte heran, um umfangreiche Beprobungen auch in weiteren Betrieben im Sperrgebiet vorzunehmen», sagte Landrat Torsten Wendt am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bisher wurde der sehr aggressive Erreger des Subtyps H5N5 in zwei Haltungen eines Betriebes mit insgesamt 18 400 Puten nachgewiesen.

Ein Expertenteam des FLI soll epidemiologische Untersuchungen vornehmen und dabei alle möglichen Eintrags- und Verbreitungswege berücksichtigen. Die wahrscheinlichste Erklärung sei, dass etwas «aus der Natur» in die Anlage gelangt sei, meinte Habeck.

Der Kreis Steinburg richtete einen Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von weiteren mindestens sieben Kilometern ein. Um das Risiko einer Virus-Ausbreitung so weit wie möglich zu verringern, gelten die strengen Schutzvorkehrungen wie Stallpflicht und Maßnahmen zur Biosicherheit weiterhin.

Nach Einschätzung des FLI handelt es sich in dem neuen Fall um ein Mischvirus, das auf Basis des ursprünglichen H5N8 entstanden sei. Bisher wurden nach Angaben des Kieler Ministeriums weltweit keine Fälle von Infektionen mit diesem Subtyp beim Menschen beobachtet. Mischviren von aviären Influenzaviren entstehen, wenn in einem infizierten Tier mehrere Virus-Subtypen zeitgleich auftreten und bei ihrer Vermehrung Erbmaterial austauschen.

Das Auftreten dieses Virus-Subtyps sei laut FLI nicht überraschend und ändere weder die Risikoeinschätzung des Instituts zur Geflügelpest noch die Empfehlungen zu Gegenmaßnahmen, gab das Ministerium an.