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Montag

Blindgänger in Hannover entschärft: Anwohner dürfen zurück

Hannover (dpa) - Aufatmen in Hannover: Die letzte der drei Weltkriegsbomben ist entschärft, Einsatzkräfte und Bewohner sind erleichtert. Entwarnung gab es am Sonntagabend - damit waren die Kampfmittelbeseitiger im Zeitplan. Vor allem eine Fünf-Zentner-Bombe hatte das Ganze kompliziert gemacht. Deren Zünder war beschädigt, deshalb musste der Blindgänger mit einem Wasserstrahlschneidgerät unschädlich gemacht werden.

Am Ende sprengten die Spezialisten kontrolliert alle drei Zünder. «Sie waren sehr empfindlich, deshalb wurden sie vor Ort gesprengt. So konnten sie beim Transport nicht explodieren», sagte Thomas Bleicher, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes für Niedersachsen. Am Abend gegen 18 Uhr durften damit auch die 50 000 Menschen, die von der Evakuierung in Hannover betroffen waren, nach Hause zurückkehren. 

Tankstellen, Kioske und Bäckereien hatten wegen der Bombenentschärfung in drei Stadtteilen Hannovers an diesem Tag dicht gemacht - vormittags fuhren Polizeiwagen durch die Viertel, um die Bewohner zum Verlassen der Häuser aufzufordern: Zwei Stunden später waren die Straßen verwaist. 

An den Straßenbahnhaltestelle im Norden der Stadt standen am Sonntagmorgen viele Paare, Familien mit Kinderwagen und Taschen, Kinder hielten ihre Kuscheltiere fest. Fahrräder und Autos fuhren vorbei - alle in Richtung Zentrum, raus aus der Evakuierungszone. Es war die zweitgrößte Aktion dieser Art in der Nachkriegszeit: In Augsburg mussten vor einem halben Jahr 54 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen.

In Hannover reagierten viele gelassen. «Hauptsache es geht nichts hoch», sagt Kornelia Elsmann, die als Betreuerin an der Senioren-Residenz Vahrenwald arbeitet. Sie verbrachte den Tag in einer der Notunterkünfte, die in Schulen eingerichtet wurden.  

Die Unterkünfte wurden gar nicht voll: Viele Betroffene hielten sich bei teilweise sonnigem Wetter lieber draußen auf. Einige wie Dominik Kühn trafen sich bei Freunden zum Grillen. Er sagte: «Ein unwohles Gefühl habe ich nicht, aber als ich am Morgen die Einsatzwagen durch die Straßen habe fahren sehen und die Durchsagen zu hören waren - das war schon eine skurrile Stimmung. Fast wie in einem Endzeitfilm.»

Christiane Bosold ging mit ihrem Mann und zweijährigen Kind in den Zoo und hatte sicherheitshalber den Kofferraum des Familienautos vollgepackt, falls die Evakuierung erst spät am Abend zu Ende sein sollte. «Dann fahren wir nach Göttingen zu meinen Eltern», so Bosold.

Die Stadt Hannover hatte ein Freizeitprogramm organisiert: Der Eintritt in einige Museen und Schwimmbäder war kostenlos, Kinos boten Sondervorstellungen an. Das Angebot nutzten viele. Allein ins Sprengel Museum kamen bis zum Mittag 700 Besucher, sagte eine Mitarbeiterin. Sonst seien es bis mittags nur etwa 200 Besucher. 

Mehr als 2400 Feuerwehrleute, Polizisten und andere Helfer waren im Einsatz - mit dabei auch etwa 180 Rettungs- und Krankenwagen, sowie zwölf Busse, auf denen vorn «Evakuierung» stand. Gegen 14 Uhr galt das Areal als gesichert. Vorher war ein Hubschrauber - ausgestattet mit einer Wärmebildkamera - über das Gebiet geflogen, um letzte in Häusern gebliebene Menschen auszumachen. 

Auch für den Kampfmittelräumdienst war die Aktion eine Herausforderung: Zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine Zehn-Zentner-Bombe wurden auf einem Baugelände identifiziert. Eine davon konnte nicht manuell entschärft werden, hieß es. Am Anfang waren die Einsatzkräfte noch von fünf Blindgängern ausgegangen. Zwei erwiesen sich als Metallschrott.  

Der Bahnverkehr geriet dadurch weit weniger durcheinander als befürchtet: Am Nachmittag konnte der Hauptbahnhof in Hannover doch vom Regional- und Fernverkehr genutzt werden. Ursprünglich hatten die Züge den Hauptbahnhof umfahren sollen. 

Sonntag

Komplikationen bei Bombenentschärfung in Hannover

Hannover (dpa) - Bei der geplanten Entschärfung mehrerer Weltkriegsbomben in Hannover macht einer der Blindgänger Probleme. «Mindestens ein Blindgänger lässt sich nicht manuell entschärfen», teilte die Stadt Hannover bei Twitter mit.

«Das weitere Vorgehen wird derzeit geprüft.» Insgesamt wurden drei Bomben gefunden, davon zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine 10-Zentner-Bombe. Die Entschärfung habe begonnen, teilte die Stadt mit. Etwa 50 000 Menschen hatten bei einer der größten Evakuierungsaktionen seit dem Zweiten Weltkrieg in Sicherheit gebracht werden müssen. Der Bahnverkehr war zunächst kaum von der Entschärfung betroffen.

Dass eine Bombe nicht manuell entschärft werden kann, muss nicht unbedingt bedeuten, dass die Blindgänger kontrolliert gesprengt werden müssen. Die Entschärfer können die Bombe möglicherweise auch mit Schneidwerkzeugen unschädlich machen.

Zunächst war man von fünf Weltkriegsbomben ausgegangen. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass weniger Blindgänger entschärft werden mussten, als zunächst befürchtet. Zwei von ursprünglich fünf vermuteten Weltkriegsbomben entpuppten sich bei der Untersuchung als Metallschrott, wie ein Feuerwehrsprecher mitteilte.

Wegen der Teilentwarnung konnte am Nachmittag der Hauptbahnhof in Hannover doch vom Regional- und Fernverkehr genutzt werden. Ursprünglich hatten die Züge den Hauptbahnhof umfahren sollen. Nach Angaben der Bahn und der Stadt Hannover wurde die Bahnstrecke freigegeben, so dass der Hauptbahnhof wieder normal angefahren werden könne. Ein Sprecher teilte mit, dass auch der S-Bahn-Verkehr nicht mehr eingeschränkt sei.

Nach der Evakuierung suchte die Polizei zunächst noch mit einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera nach letzten Anwohnern in dem gesperrten Gebiet. Für die Kampfmittelexperten ist der Einsatz nicht alltäglich: «Wenn ich mehrere Blindgänger nacheinander entschärfen muss, ist das schon eine große körperliche und psychische Belastung. Aber die Leute sind gut drauf vorbereitet».

Die Hannoveraner machten während der Evakuierung lieber Ausflüge, als sich in den Notunterkünften aufzuhalten. Das Interesse an den Unterkünften sei verhalten, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. Stattdessen nutzten die Betroffenen das von der Stadt angebotene Freizeitprogramm und besuchten Museen, Kinos oder den Zoo.

Eine größere Evakuierungsaktion als die in Hannover gab es in der Nachkriegszeit bisher nur in Augsburg: Dort waren im Dezember 2016 etwa 54 000 Menschen von einer Bombenentschärfung betroffen.

Koffer löst am Flughafen Berlin-Tegel ein Chaos aus

Berlin (dpa) - Der Berliner Airport Tegel hat wegen eines herrenlosen Koffers zeitweise den Flugverkehr eingestellt. Der Tower des Airports musste kurzzeitig geräumt werden.

Am Terminal B war am Vormittag ein herrenloses Gepäckstück entdeckt worden, dieses entpuppte sich aber laut Polizei als ungefährlich.

Spezialisten des Landeskriminalamtes rückten aus und röntgten den Koffer, der nach Angaben der Flughafenbetreiber vor dem Gebäude gefunden worden war. Das Terminal wurde vorsorglich ebenfalls geräumt und abgesperrt. Nach etwa einer Stunde konnte am Mittag bereits Entwarnung gegeben werden: Der Inhalt des Gepäckstücks war harmlos. Der Tower konnte wieder besetzt und der Flugverkehr nach etwa 15 Minuten Unterbrechung wieder aufgenommen werden.

Nach Angaben eines Sprechers der Flughafengesellschaft musste lediglich ein Flug aus Paris auf den anderen Berliner Airport nach Schönefeld umgeleitet werden. Dieser flog aber nach einer Zwischenlandung noch nach Tegel. In Folge des Einsatzes kam es dort zu kleineren Verspätungen und Beeinträchtigungen.

Auch der öffentliche Nahverkehr war beeinträchtigt. Busse konnten zeitweise nur zum Terminal E fahren. Die zentrale Vorfahrt zum Terminal B war wegen des Einsatzes blockiert gewesen.

Immer wieder lösen herrenlose Gepäckstücke an Flughäfen und Bahnhöfen der Hauptstadt Aufregung und Chaos aus. In der Regel stellen sie sich als harmlos heraus. Die Polizei weist darauf hin, dass man immer gut auf sein Gepäck achtgeben und es nicht aus den Augen lassen sollte. So könnten teure Einsätze vermieden werden.

Dienstag

Vater und Sohn tot im Auto

Priort (dpa) - Ein Spaziergänger hat zwei Leichen in einem Auto bei Priort (Havelland) entdeckt. Es handelt sich um einen 41 Jahre alte Mann aus dem Havelland und seinen 16-jährigen Sohn, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

«Nach bisherigem Kenntnisstand geht die Polizei von Suizid aus», hieß es. Hinweise auf einen sogenannten erweiterten Suizid gebe es bislang nicht, sagte ein Polizeisprecher. Von einem erweiterten Suizid sprechen Fachleute, wenn ein Mensch aus Fürsorge nahe Angehörige, oft die Kinder, mit in den Tod nimmt.

Die Hintergründe seien noch völlig unklar. Ein Spaziergänger hatte die Leichen am Montag entdeckt. Ein Notarzt hatte nur noch ihren Tod feststellen können, wie die Polizei mitteilte. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler von einer Obduktion der Leichen.

Ein Spaziergänger habe das Auto mit den beiden Toten etwa 500 Meter außerhalb von Priort, in einem kleinen Waldstück nahe einer Straße entdeckt und gegen 14.45 Uhr die Rettungskräfte alarmiert, berichtete der Polizeisprecher. Beamte hätten den Fundort weiträumig abgesperrt sowie einen Bauzaun aufgestellt. Der vordere Teil des Autos wurde mit weißen Tüchern bedeckt. Kriminaltechniker untersuchten das Auto. Die Mordkommission übernahm die Ermittlungen.

In dem Auto habe sich noch ein lebender Hund befunden, als die Beamten eintrafen, sagte der Polizeisprecher. Man habe ein Tierheim verständigt, ein Mitarbeiter sei gekommen und habe das Tier eingefangen.

Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht. Priort ist Teil der Gemeinde Wustermark. In dem Ortsteil leben nach Gemeindeangaben etwas mehr als 1200 Einwohner.

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Webseite Gemeinde Wustermark

Ein Dutzend Menschen in London bei Säure-Attacke verletzt

London (dpa) - Bei einer Säure-Attacke in einem Londoner Nachtclub sind zwölf Menschen verletzt worden. Grund könnte ein Streit zwischen zwei Gruppen sein, teilte Scotland Yard am Montag mit. Ein Verdächtiger soll dabei die Flüssigkeit direkt auf zwei Männer gesprüht haben. Ihr Zustand sei ernst, aber stabil.

Zehn weitere Personen in der Nähe wurden leicht verletzt. Alle Opfer mussten in Kliniken behandelt werden.

Bis zum Montagnachmittag war noch niemand festgenommen worden. Es gibt nach Polizeiangaben keine Hinweise auf einen Bandenkrieg.

Die Substanz ist noch nicht exakt bestimmt, Scotland Yard geht aber von einer Säure aus. Der Vorfall ereignete sich nachts gegen 2 Uhr MESZ. Beobachter sprachen von einer «unheimlichen Szene». «Das war wie im Krieg - überall Polizei», sagte eine Zeugin. Freunde versuchten, den Verletzten Erste Hilfe zu leisten.

In dem Nachtclub hatten sich rund 600 Menschen aufgehalten. Etwa 400 mussten nach der Attacke noch in Sicherheit gebracht werden. Die Polizei sperrte das Gebiet im Osten der Hauptstadt weiträumig ab.

Samstag

Obdachloser in Hessen auf der Straße verbrannt

Groß-Gerau/Darmstadt (dpa) - Der Mann brannte nach Augenzeugenberichten am ganzen Körper «wie eine Fackel»: Der Tod eines Obdachlosen in der Nacht zum Karfreitag im südhessischen Groß-Gerau stellt die Polizei vor Rätsel.

«Es wird in alle Richtungen ermittelt», sagte ein Polizeisprecher in Darmstadt. Der 44-Jährige starb trotz sofortiger Hilfe noch an Ort und Stelle.

Der Vorfall spielte sich nach Berichten von Augenzeugen in einer verkehrsberuhigten Sackgasse in der Innenstadt ab. Ein Anwohner hatte dort gegen Mitternacht für sich einen Rettungswagen gerufen, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagte. Als der Notarzt eingetroffen sei, habe dieser den Obdachlosen entdeckt.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat inzwischen eine Obduktion angeordnet. Diese sollte noch im Laufe des Freitags stattfinden, sagte der Polizeisprecher am Freitagnachmittag. Wann mit Ergebnissen zu rechnen sei, konnte er nicht sagen.

Der Anwohner, der den Notarztwagen angefordert hatte, war zusammen mit seiner Frau Zeuge des grausigen Geschehens. Er stand am Freitag noch sichtlich unter Schock. Zwei weitere Obdachlose hätten zum Zeitpunkt des Vorfalls in ihren Decken gelegen, berichtete er. Freunde des Toten legten am Ort des Geschehens am Freitagvormittag Blumen nieder.

Nach Schilderung von Anwohnern nächtigen Obdachlose seit längerem in der Gasse. Beschwerden bei der Stadt über Belästigungen seien ohne Erfolg geblieben.

Auch in Hamburg soll ein 24-jähriger Mann den Schlafsack eines Obdachlosen angezündet haben. Ein Zeuge konnte den 49-Jährigen am Donnerstagabend in seinem brennenden Schlafsack wecken, wie eine Polizeisprecherin sagte. Der Obdachlose blieb unverletzt, Kleidung und Schlafsack wurden aber beschädigt. Der Tatverdächtige, der gefasst wurde, sei ebenfalls obdachlos. Zu möglichen Hintergründen machte die Polizei zunächst keine Angaben. Die Polizei geht von einem versuchten Tötungsdelikt aus.

In Berlin hatten an Weihnachten vergangenen Jahres eine Gruppe Jugendlicher und junger Männer versucht, einen Obdachlosen anzuzünden, der in einer U-Bahn-Station schlief. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen.

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Polizeimitteilung

Mittwoch

Riesige Python verschlingt Erntearbeiter

Jakarta (dpa) - Auf einer indonesischen Insel hat eine riesige Schlange einen Erntehelfer verschlungen. Der 25 Jahre alte Mann, nach dem schon gesucht worden war, konnte nach Angaben eines Polizeisprechers vom Mittwoch nur noch tot aus der Python herausgeschnitten werden.

Der Mann war noch bekleidet und hatte sogar seine Gummistiefel noch an. Vermutet wird, dass er von hinten von der Schlange überrascht wurde. Das Tier war nach indonesischen Medienberichten mehr als vier Meter lang.

Der Arbeiter war nach einem Bericht der Tageszeitung «Kompas» am Sonntag auf der Insel Sulawesi auf einer Palmöl-Plantage beschäftigt gewesen. Von der Arbeit kam er jedoch nicht mehr nach Hause. Die Suche der Polizei brachte zunächst keinerlei Erfolg. Am Montag wurden Dorfbewohner dann jedoch in der Nähe der Plantage auf eine Python mit sehr ungewöhnlichen Ausbuchtungen aufmerksam, die träge auf dem Boden lag.

Die Schlange wurde dann getötet und aufgeschnitten. In ihrem Inneren fand sich der vermisste Arbeiter. Die Szene wurde mit Handy-Kameras auch gefilmt. Bei dem Tier handelte es sich um eine sogenannte Netzpython (Malayopython reticulatus), die in den tropischen Gebieten Südostasiens zuhause ist und mehr als sechs Meter lang werden kann. Netzpythons gehören zu den größten Schlangen der Welt. Pythons töten ihre Opfer nicht mit Gift, sondern erwürgen sie.

Normalerweise ernähren sie sich von Vögeln und kleineren Säugetieren wie Ratten. Sie fressen aber auch Affen und Wildschweine. Dass Pythons Menschen mit Haut und Haaren verschlingen, ist äußerst selten. Möglich ist es nach Angaben von Experten aber dadurch, dass sie zwei flexible Unterkiefer haben, die sich aus dem Oberkiefer aushängen können. Auf diese Weise können sie auch größere Lebewesen fressen.

Sonntag

Anwohner sollen Flüchtling zum Suizid aufgerufen haben

Schmölln (dpa) - Nach dem tödlichen Fenstersturz eines 17-jährigen Flüchtlings im thüringischen Schmölln ist noch immer nicht geklärt, ob ihn Anwohner tatsächlich zum Suizid ermuntert haben.

Die Polizei machte bis zum frühen Sonntagmorgen keine Angaben zum Ergebnis der Befragung einer Frau, die kurz vor dem Sprung des Jugendlichen entsprechende Rufe gehört haben soll. Äußerungen des Bürgermeisters Sven Schrade (SPD) deuteten darauf hin, dass solche Worte gefallen sein könnten.

«Uns liegen auch Informationen vor, dass einige, ich nenne sie mal Schaulustige, diesem Vorfall lange beigewohnt haben, und wohl auch Rufe gefallen sein sollen wie «Spring doch»», sagte Schrade am Samstag dem MDR. «So etwas kann man nur verurteilen.» 

Der Geschäftsführer der Betreuungseinrichtung, David Hirsch, sagte ebenfalls, dass eine Mitarbeiterin entsprechende Rufe gehört habe. Polizei und Feuerwehr bestätigten dies zunächst nicht. Die Landeseinsatzzentrale der Polizei teilte am Samstagabend mit, die Aussagen der Mitarbeiterin würden geprüft.

Laut Polizei hatte sich der Flüchtling am Freitag aus dem Fenster seiner Unterkunft gestürzt. Die Beamten gehen von Suizid aus.

Den Angaben zufolge war der Jugendliche zuvor wegen psychischer Probleme in Behandlung. Kurz vor der Tat habe er in der Unterkunft randaliert, weshalb die Polizei gerufen wurde. Die Beamten konnten ihn aber nicht mehr vom Sprung aus dem fünften Stock abhalten.

Polizei und Feuerwehr bestätigten, dass sich Schaulustige vor der Unterkunft aufgehalten hätten. Nach Angaben der Polizei vom Samstagabend filmte ein Passant die Szenen mit einem Handy. Er sei noch vor Ort gebeten worden, das Video zu löschen, was er vor den Augen der Beamten auch getan habe.

Bürgermeister Schrade sagte auf Anfrage, zunächst müssten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet werden. Sie werde bei solchen Fällen automatisch eingeschaltet. Von einem Fremdverschulden werde nicht ausgegangen.

Sollten sich die angeblichen Rufe wie «Spring doch» bewahrheiten, sei das nicht tolerierbar, schrieb der Bürgermeister auf seiner Facebook-Seite. «Es ist verachtenswert, ja unmenschlich. Ob Geflüchtete oder hier Lebende: Wir alle sind Menschen.» Zudem schrieb er: «Leider erreichten mich heute auch Bildaufnahmen, die den Jungen auf dem Fensterbrett sitzend zeigten, versehen mit unbegreiflichen Kommentaren.»