Freitag

Impfen als christliche Pflicht? Vatikan droht Impfunwilligen mit Entlassung

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19 Feb. 2021 09:31 Uhr
Der Vatikan hat seinen Mitarbeitern mitgeteilt, dass sie ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, sollten sie sich weigern, eine COVID-19-Impfung ohne legitime gesundheitliche Gründe zu verweigern. Dies sei wegen des Risikos, anderen Menschen zu schaden, geboten.

© REUTERS/Luisa Gonzalez
Mitarbeiter im Vatikan können durch ein Dekret ihre Stelle verlieren, wenn sie sich nicht impfen lassen (Symbolbild).

In einem Dekret von Kardinal Giuseppe Bertello, dem Gouverneur der Vatikanstadt, heißt es, dass die Impfung wegen des Risikos, anderen Menschen zu schaden, eine "verantwortungsvolle Wahl" sei. Die Vatikanstadt, mit 108 Hektar der kleinste Staat der Welt, hat mehrere Tausend Mitarbeiter, von denen die meisten in Italien leben. Das Impfprogramm begann letzten Monat. Der 84-jährige Papst Franziskus war einer der Ersten, die sich impfen ließen. Das siebenseitige Dekret besagt, dass diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, einen Positionswechsel erhalten können. Dabei wird der Kontakt zu Menschen reduziert, die Bezahlung aber bleibt gleich, auch wenn die neue Stelle eine Degradierung darstellt.

Das Dekret besagt außerdem, dass diejenigen, die sich ohne ausreichenden Grund weigern, sich impfen zu lassen, einer speziellen Bestimmung eines Gesetzes von 2011 über die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern unterliegen. In dem entsprechenden Artikel heißt es, dass Angestellte, die sich weigern, "präventive Maßnahmen" zu ergreifen, "unterschiedlichen Graden von Konsequenzen unterworfen werden können, die bis zur Entlassung führen können". Das Dekret wurde am 8. Februar unterzeichnet und später auf der Website des Gouverneursamtes veröffentlicht.
Papst Franziskus ist ein großer Befürworter von Impfungen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.
"Es ist eine ethische Entscheidung, weil man mit seiner Gesundheit spielt, mit seinem Leben, aber man spielt auch mit dem Leben anderer", sagte er vergangenen Monat in einem Interview mit einem italienischen Fernsehsender.
Der Vatikan hat auch für Journalisten, die Papst Franziskus auf seiner Reise in den Irak im nächsten Monat begleiten werden, eine COVID-19-Impfung obligatorisch gemacht. Bertello, der das Dekret unterzeichnet hat, wurde im Dezember positiv auf das Coronavirus getestet und begab sich anschließend in Quarantäne. In der Vatikanstadt gab es bisher weniger als 30 Corona-Fälle, die meisten davon bei der Schweizer Garde, die in einer Gemeinschaftskaserne lebt.

Papst Franziskus wirbt in seiner Weihnachtsbotschaft für Frieden und Corona-Impfungen für alle

In der traditionellen Weihnachtsbotschaft hat Papst Franziskus am Freitag vieler Leidender auf der Welt gedacht und allen den päpstlichen Segen "Urbi et orbi" gespendet. Er betete für mehr Solidarität in Zeiten der Pandemie und für einen allgemeinen Zugang zu Corona-Impfstoffen.

Montag

UN-Klimagipfel in Madrid: Trotz Verlängerung der Konferenz kaum Ergebnisse

Die 25. UN-Klimakonferenz ging am Sonntag in Madrid zu Ende. Trotz einer zweitägigen Verlängerung kam es zu keiner Einigung im Emissionsrechtehandel. Enttäuschung und Appelle zu verstärkten Anstrengungen sind die Reaktionen auf die magere Bilanz des Gipfels.

Die 25. Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens über Klimaänderungen (COP25), die in Madrid tagte, schloss nach einer zweitägigen Verlängerung am Sonntag, ohne Vereinbarungen über Artikel 6 des Pariser Übereinkommens zur Regulierung des Handels mit Emissionszertifikaten zu treffen. Diese wichtige Debatte wurde auf das nächste Jahr vertagt.

Das Plenum aus Vertretern von rund 200 Staaten einigte sich auf andere Punkte, wie die Umsetzung eines Gender-Aktionsplans zum besonderen Schutz von Frauen vor dem Klimawandel oder die Erneuerung des Schutzmechanismus für die schwächsten Länder. Die Parteien einigten sich auch darauf, bis 2020 größere Anstrengungen bei den nationalen Klimaschutzplänen – den sogenannten NDCs – zu fordern.

Diese Vereinbarungen können allerdings nicht das allgemeine Gefühl des Scheiterns auf dem Gipfel verbergen, der nach der zweitägigen Verlängerung zur bisher längsten UN-Klimakonferenz wurde.

Heute stehen unsere Länder weiter in der Schuld des Planeten", sagte die Präsidentin des Gipfels, die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt.

In ihrer Abschlussrede auf der Konferenz erinnerte Schmidt daran, dass "die Welt zusieht" und "konkrete Lösungen erwartet", um den globalen Temperaturanstieg zu reduzieren, was ihrer Ansicht nach in Madrid nicht erreicht wurde.

Heute sind wir nicht zufrieden. Die von den Parteien getroffenen Vereinbarungen reichen nicht aus, um die Klimakrise mit einer Einstellung der Dringlichkeit anzugehen. Es gibt immer noch keinen Konsens darüber, die Anstrengungen auf das erforderliche Niveau zu erhöhen", fügte sie hinzu.

Größere Anstrengungen

Einer der Kernpunkte der Diskussionen in Madrid war die Formulierung einer Petition, um die Länder zu ermutigen, die Ziele ihrer Klimaschutzpläne bis 2020 zu erhöhen. Das Pariser Abkommen verpflichtet seine Unterzeichner, Pläne zur Emissionsreduzierung vorzulegen, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius (vorzugsweise bei rund 1,5 Grad Celsius) vor Ende des Jahrhunderts einzudämmen.

Wissenschaftskreise warnten wiederholt davor, dass mit den aktuellen Reduktionsplänen der Temperaturanstieg am Ende des Jahrhunderts mindestens über drei Grad liegen wird, was einen eklatanten Verstoß gegen das Pariser Abkommen darstellen würde.

Während des Gipfels drängten sowohl die Europäische Union als auch die meisten lateinamerikanischen Länder und kleinen Inselstaaten auf konkrete Vereinbarungen über verstärkte Anstrengungen, um bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. In diesem Sinne bündelt die von der chilenischen Präsidentschaft geförderte Allianz für Klimaanstrengungen (Alianza de la Ambición Climática) die Unterstützung von 103 Ländern, die sich verpflichtet haben, bis 2020 ehrgeizigere NDCs zu verabschieden.

An dieser Initiative nehmen allerdings entscheidende Länder nicht teil: Die größten Emittenten von Treibhausgasen und die größten Produzenten von fossilen Energieträgern wie China, Indien, die USA, Russland, Kanada und Saudi-Arabien. Diese Staaten verweigerten sich während der Konferenz spezifischen Verpflichtungen für einen größeren Umfang der NDCs im Jahr 2020.

Schließlich endete der Klimagipfel mit einer Abschlusserklärung, in der die Länder "ermutigt" wurden, "die Gelegenheit zu nutzen", ihre Emissionsminderungen angesichts der "Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels" zu erhöhen. Eine Forderung mit rhetorischem Charakter, die zudem keinen Zeitplan beinhaltet, um die Länder zu verpflichten, ihre Pläne in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 vorzulegen.

Die Frage eines konkreten Datums mag nebensächlich erscheinen. Doch wenn die Länder ihre Klimaschutzpläne ohne ausreichenden zeitlichen Vorlauf für eine eingehende Analyse durch den IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) vorstellen, kann es dazu kommen, dass die internationale Gemeinschaft beim nächsten Klimagipfel 2020 in Glasgow keine genauen Erkenntnisse darüber hat, welche globalen Auswirkungen die nationalen Pläne auf die Temperatur des Planeten haben.

Artikel 6

Das Hauptthema auf der Tagesordnung in Madrid war die Umsetzung von Artikel 6 des Pariser Abkommens, der sich hauptsächlich auf die Regulierung des Emissionshandels konzentriert, aber auch andere Themen wie die Planung von Projekten zur Emissionsminderung ähnlich dem Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls umfasst.

Schließlich konnten sich die Gipfelteilnehmer nicht darauf einigen, wie Mechanismen geschaffen werden können, um beim Emissionsrechtehandel – durch den die Länder Emissionsgutschriften untereinander übertragen werden – Doppelzählungen zu verhindern oder um sicherzustellen, dass Minderungsprojekte auch Garantien für Menschenrechte und Umweltwirksamkeit beinhalten.

Infolgedessen haben die Parteien – wie beim letztjährigen Gipfel in Kattowitz – lediglich Fortschritte bei einigen technischen Aspekten erzielt, so dass Artikel 6 schließlich auf der COP26 in Glasgow weiterverhandelt wird.

Wir wollten einen Artikel 6 abschließen, der es uns ermöglichen würde, einen stabilen CO2-Markt mit ökologischer Integrität zu implementieren, konzentriert auf die Erzeugung von Ressourcen, die es uns ermöglichen würden, uns auf eine nachhaltige und klimaresistente Entwicklung zuzubewegen (....) Es ist schade, dass wir keine endgültige Einigung erzielt haben", sagte Carolina Schmidt.

Reaktionen

Mehrere Umweltorganisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft äußerten ihre Wut über die Unfähigkeit der COP25, Fortschritte in multilateralen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels zu erreichen. Andere Akteure waren jedoch erleichtert, dass die Fragen zu Artikel 6 endlich verschoben wurden. Ihrer Meinung nach seien die Bedingungen, unter denen die Verhandlungen geführt wurden, nicht ermutigend gewesen.

Glücklicherweise wurden die schwachen Regeln für Marktmechanismen, die von Brasilien und Australien unterstützt wurden und die die Bemühungen zur Emissionsreduzierung untergraben hätten, nicht berücksichtigt", sagte Mohamed Adow, Direktor von Power Shift Africa.

Der Ministerpräsident des Gastgeberlandes Spanien, Pedro Sánchez, erklärte, dass der Madrider Klimagipfel "kompliziert" gewesen war, und forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich zukünftig stärker für Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Mario Rodríguez, Exekutivdirektor von Greenpeace Spanien, bezeichnete den Gipfel seinerseits als gescheitert und wies darauf hin, dass "die politische Klasse für den sozialen und wissenschaftlichen Ruf taub ist, der eine dringende und energische Reaktion auf die Klimakrise erfordert". 

Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer zeigte sich enttäuscht über die Ergebnisse und auch von Deutschland. Der Jugendbewegung "Fridays for Future" und anderen Klimaschützern sei offensichtlich nicht zugehört worden, sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur:

Wir haben ein Jahr lang alles gegeben, um den Stand der Wissenschaft und die Bereitschaft der Menschen auf die Straße zu tragen. Es stellt sich die ernsthafte Frage, was wir denn noch machen sollen.

Neubauer ist eines der führenden Mitglieder von "Fridays for Future" und trat in Madrid gemeinsam mit der Schwedin Greta Thunberg auf.

Irritiert sei sie aber weniger von Staaten wie den USA und Brasilien, die bei den Verhandlungen gebremst hätten, sagte Neubauer – sondern von Staaten wie Deutschland, aber auch der EU, deren Job es gewesen wäre, "zu beweisen, dass sie verstanden haben, dass sie diese Tage in der Verantwortung stehen, internationalen Klimaschutz voranzubringen, trotz und wegen aller bekannten Schwierigkeiten".

Grünen-Fraktionschef Hofreiter sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe:

Gerade weil die Ergebnisse des Klimagipfels enttäuschend sind, muss Deutschland jetzt erst recht eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz einnehmen.

Die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum sagte der Welt, Deutschland dürfe sich von Bremser-Staaten nicht lähmen lassen. Nun müssten sich die Vorreiter-Staaten zusammenschließen und zeigen, dass es auch anders gehe. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte dagegen der Rheinischen Post, leider könne Deutschland die internationale Vorreiterrolle nicht einnehmen, weil die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung angesichts ihrer verfehlten Klimaziele beschädigt sei.

Der Klimaforscher Latif plädierte für eine "Koalition der Willigen", um Blockaden bei den UN-Klimaverhandlungen zu überwinden. Latif schlug vor, dass sich die EU, deren Vorhaben zur Klimaneutralität bis 2050 er lobte, Partner wie China suchen. In einem solchen Vorgehen steckten auch enorme wirtschaftliche Chancen.

Wenn sich die ökonomischen Hoffnungen erfüllen, dann werden auch die Blockiererländer wieder offen für Klimaschutz sein", sagte Latif der Frankfurter Rundschau.

Der FDP-Klimaexperte Lukas Köhler sagte der Welt, es müsse weiter miteinander geredet werden. Enttäuscht über den Ausgang des Gipfels zeigte sich auch die Linke. Parteichefin Katja Kipping sprach in der Welt von einer "Schande". Die neue Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sagte der Welt, es sei "erschreckend", dass die Interessen der "Reichen und Mächtigen", mit einem klimaschädlichen Wirtschaftssystem weiter ungestört Profit zu machen, offenbar immer noch wichtiger seien, als das Interesse der Allgemeinheit nach einem intakten Planeten.

Entwicklungsminister Müller räumte ein: "Madrid war enttäuschend". Dennoch müsse gehandelt werden, etwa zur Einlösung des 100-Milliarden-Versprechens der Industrieländer zur Finanzierung der Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsstaaten ab 2020.

Die G20 Staaten sind in der Verpflichtung zu handeln und müssen dazu nicht auf die nächste COP warten", mahnte der CSU-Politiker in Berlin.

Mittwoch

Boris Johnson: "Ich unterstütze keinen militärischen Einsatz der USA gegen den Iran"

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Der Kandidat für das Amt des britischen Premierministers Boris Johnson sagte am Montag, er würde einen militärischen Einsatz der USA gegen den Iran nicht unterstützen. Sein Herausforderer sieht das Interesse der USA an einem Krieg nicht gegeben.
Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran sind auch Thema im britischen Wahlkampf. Bei einer Debatte sagte der Kandidat auf das Amt des Premierministers Boris Johnson
Wäre ich jetzt Premierminister, würde ich die militärische Aktion gegen den Iran unterstützen? Die Antwort ist 'nein'. 
Johnson werden gute Chancen auf das Amt zugerechnet. Theresa May hatte nach mehrmaligen Niederlagen bei Abstimmungen über den Brexit-Vertrag im britischen Unterhaus ihren Rücktritt als Parteichefin erklärt. Johnson verspricht den Brexit durchzuführen und will versuchen, einen harten Brexit zu vermeiden. 
Sein Kontrahent im Wahlkampf, Außenminister Jeremy Hunt, verwies darauf, dass die Vereinten Staaten nicht auf Krieg gegen den Iran aus seien:
Das Risiko, das wir haben, ist etwas anderes, nämlich ein zufälliger Krieg, wenn in einer sehr angespannten und instabilen Situation etwas passiert. 
Die Spannungen zwischen Washington und Teheran wurden durch den Ausstieg der USA aus dem Nuklearabkommen im letzten Jahr ausgelöst. Seither leidet die iranische Bevölkerung unter den schweren Sanktionen. Anschuldigungen der USA, der Iran sei für Tankerangriffe verantwortlich, kamen hinzu. Beweise hierfür erbrachten die USA jedoch nicht. Der Abschuss einer US-Drohne, die in iranisches Gebiet eingedrungen war, hätte fast zur Eskalation geführt, als US-Präsident Donald Trump einen Vergeltungsschlag in letzter Minute abbrach.
Die Spannungen zwischen dem Iran und Großbritannien nahmen nach der Beschlagnahme eines Öltankers, der nach Ansicht der Briten und US-Amerikaner mit iranischem Öl nach Syrien unterwegs gewesen sein soll, zu.
Es besteht die Gefahr, dass das im Jahr 2015 unter der Präsidentschaft Barack Obamas geschlossene Nuklearabkommen ganz zerfällt. Der Iran setzte sich bereits über einige Auflagen des Abkommens hinweg. Für Jeremy Hunt gäbe es jedoch noch ein "schmales Fenster", um das Abkommen zu retten: 
Der Iran ist ein gutes Jahr davon entfernt, um eine Nuklearwaffe zu entwickeln. 
Von Deutschland, Großbritannien und Frankreich fordert der Iran die Umsetzung des versprochenen Warentausches, um die Handelsbeziehungen wieder zu normalisieren und Sanktionen zu umgehen. Aufgrund fehlender Fortschritte bei diesem Thema hatte der Iran seine Urananreicherung erhöht. Die EU-Außenbeauftragte Frederica Mogherini sagte am Montag: 
Wir fordern den Iran auf, die Schritte rückgängig zu machen und zur vollständigen Einhaltung [des Abkommens] zurückzukehren. 
Die Entscheidung des Irans, die Urananreicherung zu erhöhen, so Mogherini, könne rückgängig gemacht werden.

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Dienstag

Rentenversicherung verstärkt Kampf gegen Schwarzarbeit

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Berlin (dts) - Die Deutsche Rentenversicherung verstärkt den Kampf gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Laut eines Berichtes der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe) kann sie dabei mit zusätzlichen Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe rechnen. Seit Jahresbeginn prüft eine neue Arbeitseinheit mit 135 Mitarbeitern, ob Arbeitgeber in Fällen des Verdachts auf Schwarzarbeit oder nach der Eröffnung von Insolvenzverfahren die Sozialversicherungsbeiträge für ihre Beschäftigten richtig abgeführt haben.

Im vergangenen Jahr summierten sich die Nachforderungen in diesen Fällen auf rund 190 Millionen Euro; dazu kamen Säumniszuschläge von 100 Millionen Euro. Durch die Bündelung von Ressourcen will die Deutsche Rentenversicherung die nicht planbaren Prüfungen noch schneller und effizienter vornehmen. Außerdem will sie noch besser mit der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls kooperieren. Die Rentenversicherung Bund kontrolliert jedes Jahr in mehr als 400.000 Betriebsprüfungen, ob Arbeitgeber die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung korrekt berechnet und bezahlt haben. In den regulären Prüfungen forderte die Rentenversicherung im vergangenen Jahr 339 Millionen Euro an Beiträgen und Umlagen nach plus Säumniszuschläge von 31 Millionen Euro. In der Regel wird ein Betrieb turnusmäßig alle vier Jahre geprüft.

Donnerstag

Der Eisbrecher Taimyr in Betrieb

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Der atomare Eisbrecher Taimyr wird über aus Eis торосами als ob der sich bewegende Berg erhöht. Eines der grössesten Schiffe der russischen Flotte schneidet das dicke Eis wie das Papier, die Wege für die leichteren Gerichte lochend.

Der Eisbrecher ist für die Leitung der Gerichte in der Mündung der sibirischen Flüsse vorbestimmt. "Taimyr" schneidet das Eis von der Dicke in 2 Meter mühelos.

Dienstag

DEN ERSTEN SCHRITT WERDEN DIE USA UND BRITANNIEN MACHEN, DANN ES WERDEN SEHR VIEL OPFER - DIE HACKER HABEN DIE PLÄNE DER PROVOKATION "ВСУ" GESTOHLEN

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Die Hacker aus der Gruppe "Kiberberkut" haben die Pläne gestohlen, die für ВСУ die westlichen "Kuratoren" entwickelt haben. Aus den bekanntgemachten Dokumenten ist nötig es, dass der erste Schritt der USA und Britannien zurückbehalten werden, und dann es sind vier Varianten möglich, jeder von denen sieht sehr viel Opfer vor.

Die Hacker aus der Gruppe "Kiberberkut" haben drei Drehbucher der blutigen Provokation gegen Russland veröffentlicht, das unter Leitung der amerikanischen und britischen Kuratoren die Streitkräfte der Ukraine vorbereiten. Die Tatsachen sagen, dass es der friedlichen Feiertage, warten nicht muss: die Provokation wird auf die Periode bis zum 7. Januar geplant, wenn die orthodoxe Welt das Weihnachten bemerken wird. Den ersten Schritt sollen die Mitarbeiter der speziellen Unterabteilungen der USA und Großbritanniens machen, die sich in Kiew befinden.

Die Quellen nicht öffnend, teilen "киберберкуты" darüber mit, dass die unmittelbare Führung und курирование des ganzen Militär- und politischen Lebens der Ukraine "die westlichen Partner" verwirklichen. Zum bedingten "Leitungsstab" gehören die Mitarbeiter der Verteidigungsministerien und des amerikanischen Militärnachrichtendienstes und Großbritanniens. Zu ihm прикомандированы die Experten aus der CIA, АНБ, МИ-6, sowie des Nachrichtendienstes der Kriegsmarine der USA.

Die unmittelbaren Aufgaben dieses "Leitungsstabs" ist die Führung der Entwicklung der strategischen Pläne für die Ukraine, einschließlich der angreiferischen Land- und Kriegsmarineoperationen, sowie курирование der Umrüstung ВСУ.

Noch eine wichtige Aufgabe "der westlichen Partner" ist die Verwaltung der Kräfte der informativen und psychologischen speziellen Operationen der Streitkräfte der Ukraine. Gerade meinen durch diese Gliederungen, die Hacker, Washington und London werden den ersten Schlag durch Russland auftragen.

Die letzten 25 Jahre, erinnert "Kiberberkut", es ist alle Militärkampagnen der USA praktisch begannen gerade mit den informativen Sonderoperationen. Für irgendwelche Fälle es waren die Veröffentlichungen über "нечеловечески den grausame Regime" in einem bestimmten Staat, irgendwo gingen in den Lauf die Prüfgläser mit angeblich vom "vergiftenden Kampfstoff", waren "майданы" irgendwo organisiert.

"Aber welche würde abgesondert genommene Episode der amerikanischen Aggression haben wir - überall genommen und immer verwendeten die USA s.g." die Teile und die Vereinigungen der Truppen der informazionno-psychologischen und speziellen Operationen "vor allem, - wird in der Veröffentlichung im Namen der Hackergruppierung betont.

Den folgenden Schritt nach dem informativen Schlag sollen die unmittelbar ukrainischen Militärs auftragen. Für sie sind vier Drehbucher der Provokationen vorgebereitet, jeder von denen sieht sehr viel Opfer, einschließlich unter der friedlichen Bevölkerung vor.

Der blutige Durchbruch

Das erste Drehbuch, die Bestätigungen das "Kiberberkut" bringt, sieht "den Durchbruch" der Kriegsschiffe der Ukraine aus dem Schwarzen Meer in Asowsch durch den Kertscher Durchbruch vor. Im Unterschied zum Novemberangriff mit der Teilnahme des Schleppers werden nicht der auf die Seeweiten berechneten Kutter, grösser und тяжеловооруженные die Schiffe diesmal "durchbrechen". Das Ausmaß der Provokation wird grösser, als am 25. November auch wesentlich sein. Er vermutet die Anwendung der Artillerie gegen Russland und die unbedingt wesentliche Anzahl der Menschenopfer.

"Tscheburaschkas" wie der Beweis

Das zweite Drehbuch vermutet die Provokation auf der Linie der Berührung auf Donbass mit der großen Menge der Opfer unter der friedlichen Bevölkerung und der ukrainischen Militärangehörigen. Wahrscheinlichst wird die Imitation des Artilleriebeschusses seitens ДНР vorgestellt. Um dem Wein auf den Massenmord auf die Landwehrmänner abzuwälzen, hat die ukrainische Seite die ungesteuerten Raketen-Artilleriegeschosse für die Kunstsysteme "Schneeflocke" und "Tscheburaschka" schon vorgebereitet. Sie werden zur Stelle des Beschusses in angeblich "den nicht explodierte Zustand" liefern, und dann werden als Beweis liefern.

Zugunsten solcher Variante der Entwicklung der Ereignisse sagt die Tatsache, dass sich РСЗО "Tscheburaschka" und "die Schneeflocke" auf der Ausrüstung nur bei der Armee DNR zur Zeit stehen. Und für ukrainisch оборонпрома bildet keine Schwierigkeiten die Herstellung der Geschosse für sie - eigentlich, werden nur die Standardwasserleitungsrohre, standardmäßig der Sprengstoff und die Detonatoren, sowie die Raketenmotoren für die Geschosse anderer Kunstsysteme dazu gefordert werden, die es bei ВСУ in Hülle und Fülle gibt.

Die syrische Variante

Nach dem dritten Drehbuch soll die Provokation auf der Linie der Berührung mit ЛДНР auch geschehen, jedoch werden anstelle der Artillerie zum Lauf die vergiftenden Kampfstoffe gehen. Und in diesem Fall rechnet Kiew auf die große Menge der Opfer unter der friedlichen Bevölkerung und ВСУ.

Wie auch mit "Tscheburaschkas", in diesem Fall waren unter Leitung "des Leitungsstabs" die Scherben der Geschosse, die auf den Linien der Abgrenzung gesammelt sind vorgebereitet. Sie werden von den chemischen Stoffen bearbeiten, um der Weltöffentlichkeit - wie es vorzulegen es war in Syrien, wenn die USA die Gründung für den Treibschlag nach den Kräften Baschara Assada gefordert wurden. In Anbetracht der Anschuldigungen nach "der Sache Skripalej", sowie die Tatsache, dass der Westen Russland des Strebens beschuldigte, die Anwendung химоружия in Syrien zu verbergen, neu werden "die Beweise der russischen chemischen Aggression" ziemlich überzeugend aussehen.

Die Sache "Petrows und Boschirowa"

Für den vierten Fall hat "der Leitungsstab" Kiew eingefahren auf Großbritannien und den Niederlanden das Drehbuch mit "den Aufdeckungen" der russischen Diversanten - bedingt "Petrow und Boschirowa" angeboten. Wenn der Plan gebilligt sein wird, werden ukrainisch спецназовцы die Reihe der Diversionen in kontrollierter Ukraine des Territoriums veranstalten, die Schuld auf die auf ДНР, ЛНР und Russland setzen werden.

Darunter können als Objekte der Diversionen die ukrainischen Unternehmen eingesetzt sein, wo das Chlor, das Ammoniak und andere gefährliche Stoffe erzeugen. "Киберберкуту" gelang es, die konkrete Liste aufzutreiben. In ihn gehen "die Norddonezker Vereinigung der Stickstoff", Sewerodonezk ein; der Konstantinowski Chemiebetrieb, Konstantinowka; Awdejewski коксохимический der Betrieb, Awdejewka; Dserschinski фенольный der Betrieb, пгт Nowgoroder; der Charkower Betrieb der chemischen Reagenzien, Charkow; das metallurgische Kombinat "Азовсталь".

Sofort hat sich nach der Veröffentlichung der Pläne des westlichen "Leitungsstabs" und ВСУ die Webseite "Kiberberkuta" dem Angriff untergezogen und hat aufgehört, verfügbar zu sein. In der letzten Mitteilung, die dazugekommen sind, die Hacker zu verbreiten, war die Bitte enthalten, die bekanntgemachten Dokumente bis zur Öffentlichkeit zu denunzieren, um die von Kiew vorbereiteten Provokationen abzureißen und, den Niedergang der Menschen zu verhindern.

Sonntag

Unnötige Provokation oder notwendige Abschreckung? Was steckt hinter dem NATO-Großmanöver?

Der Nordatlantikpakt ist nicht nur ein Verteidigungsbündnis, sondern auch eine militärisch-politische Organisation von 29 europäischen und nordamerikanischen Mitgliedsstaaten mit den hohen Zielen, für eigene Sicherheit und weltweite Stabilität zu sorgen.
Doch spätestens seit dem Kosovo-Krieg und der voranschreitenden Osterweiterung werden Stimmen laut, die behaupten, das Bündnis agiere zunehmend aggressiver und sei nicht mehr als reines "Verteidigungsbündnis" zu verstehen. 
Doch die Zeichen stehen auf Sturm: Diese Woche führt die NATO das Großmanöver "Trident Juncture" in Norwegen durch. Zweck der Militärübung ist es, einen "hochintensiven Konflikt mit einer vergleichbaren Bedrohung an der Nordostflanke des Bündnisses" zu proben. Alles Routine oder doch Provokation? Womöglich handelt es sich um eine tatsächliche Vorbereitung auf eine Konfrontation mit einer "gleichstarken Bedrohung" an der Nordostflanke? 
Rolf Bergmeier, ehemaliger Oberst im Generalstab und unter anderem auch stellvertretender Abteilungsleiter "Planung und Organisation" in der NATO, erläutert, dass solche Manöver zwar unverzichtbar seien, ihre spezifische Umsetzung aber Potenzial für unnötige Provokation in sich berge. 
Eine Osterweiterung des Nordatlantikpaktes war zur Zeit der Deutschen Einheit eigentlich gar nicht vorgesehen, so die neueste historische Beweislage. Zu einem Vertrag, der das damals hätte rechtlich festhalten können, kam es nicht mehr. Das NATO-Bündnis rüstet seitdem also weiter auf. In Deutschland wird sichtbar Militärgerät Richtung Osten gerollt. Die Hoffnung, dass unsere Köpfe gesund auf den Schultern bleiben, stirbt zuletzt. 

Freitag

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Treffen von Maas und Lawrow in Moskau: Konsens im Dialog für eine friedliche Zukunft


Theresa May in Mazedonien: Russischen Einfluss auf dem West-Balkan verhindern

Verstörende Akte von Selbstjustiz der Politik - Ein Kommentar von Frank Elbe zur Skripal-Affäre

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Der Giftanschlag von Salisbury ist ein scheußliches Verbrechen. Wer immer dieses infame Attentat zu verantworten hat, verdient die Verachtung der Weltgemeinschaft. Die umgehende Aufklärung der Tat ist geboten. Eine Rücksichtnahme auf den möglichen Täter kann es nicht geben.

von Botschafter a.D. Frank Elbe

Wo Aufklärung geboten ist, lässt sich die westliche Welt jedoch zu verstörenden Akten politischer Selbstjustiz hinreißen. Sie verhängt bereits Strafen über einen mutmaßlichen Delinquenten, ohne sich überhaupt seiner Täterschaft sicher sein zu können. Alle Finger zeigen auf Russland, zum Teil auf Putin persönlich. Sollte es sich als richtig erweisen, wäre dies der Super-GAU in den Beziehungen zu Russland mit schwerwiegenden Folgen für die künftige sicherheitspolitische Ausrichtung Europas.

Die Leidenschaft, mit der die westliche Welt Solidarität mit Großbritannien bekundet, ist bereits im Bereich des Irrationalen zu verorten. Sie übertüncht einen Mangel an Aufklärungsbereitschaft. Schlimmer noch: Sie will uns glauben machen, dass Abstimmungsprozesse in EU und NATO an Stelle von Beweisen treten können. Das läuft auf eine Bevormundung des Bürgers hinaus. Sein Recht auf Meinungsbildung zu elementaren, ja existentiellen Entwicklungen zukünftiger Sicherheit verdient mehr Respekt. Er hat Anspruch auf plausible Informationen.

Graf Lambsdorff, mit dessen öffentlichen Stellungnahmen zu Sanktionen ich gelegentlich nicht übereinstimme, hat in einem Interview mit dem Deutschlandfunk ausgeführt, dass er sich nicht wirklich vorstellen könne, dass 24 Staaten der Welt sich entscheiden, russische Agenten auszuweisen, wenn die Beweise, die Großbritannien vorlegt, nicht stichhaltig sind. Damit wird sich der mündige Bürger nicht abfinden.

Zu den wenigen öffentlich bekannten Dokumenten, auf die sich die britische Regierung beruft, um Russland als verantwortlich für den Anschlag zu brandmarken, gehört das Urteil des Royal Court of Justice vom 22. März 2018.

Nun enthält das Londoner Urteil gerade keinen Hinweis auf eine russische Täterschaft, wie die britische Regierung glauben machen will. Es beschränkt sich auf die Feststellung, dass es sich bei dem Gift "um eine Nowitschok-Substanz oder um eine eng verwandte Substanz handelt". Das heißt, dass das Gift nicht genau identifiziert wurde. Es ist keine Rede davon, dass das Gift in der Sowjetunion hergestellt wurde.

In den 80er-Jahren war ich in der Genfer Abrüstungskonferenz Verhandler an dem Abkommen über die Ächtung chemischer Waffen; ich war auch Vorsitzender des Unterausschusses für Verifikation. Ich kann nicht nachvollziehen, wie aus der Analyse eines Nervengiftes zwingend auf die Täterschaft eines Anschlags geschlossen werden kann.

Es gibt drei Reihen von tödlichen Nervengasen: Sarin, VX und Nowitschok – letzteres wurde in den 70ern in der früheren Sowjetunion entwickelt. Sarin wurde zufällig 1939 von dem deutschen Chemiker Schrader bei der Erforschung eines Pflanzenschutzmittels entdeckt. Die Strukturformeln der Gifte sind weitgehend bekannt, sogar im Internet zugänglich.

Die Vorräte von Nowitschok wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf Bitten der usbekischen Regierung durch amerikanische Chemiewaffenspezialisten entsorgt. Bemerkenswert ist, dass Nowitschok als Nervengift zwar lange einschlägig bekannt war, in der Folgezeit in Russland, in den USA und in England auch weiter erforscht wurde, aber nicht im Chemiewaffenabkommen deklariert wurde.

Der britische Experte Julian Perry Robinson äußerte 2003 die Vermutung, dass diese Geheimniskrämerei weniger mit der Angst vor Terroristen - für die der Umgang mit dem Gift ohnehin zu gefährlich wäre - zu tun habe als mit dem Schutz des Chemiewaffenabkommens und einer geheimen Verständigung von Russland und den USA.

Als supertoxisch-lethale chemische Substanz ist Nowitschok offensichtlich auf eine lange Wanderschaft gegangen. Das erschwert den Nachweis einer Verstrickung Russlands in den Giftgasanschlag in England erheblich, trägt aber auch nicht zur Entlastung Russlands bei.

Bis zur Klärung weiterer Fakten ist politische Zurückhaltung mit Schuldzuweisungen und Strafmaßnahmen geboten. Sie ergibt sich aus dem Respekt vor unserem eigenen Wertesystem, nach dem die Verhängung von Strafen ohne ausreichende Feststellung der Schuld unzulässig ist. Aus Artikel 26 (1) des Grundgesetzes leitet sich ein für jedermann unmittelbar geltendes Gebot ab, Handlungen zu unterlassen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören.

Unberechtigte Verdächtigungen fallen unter dieses Verbot. Die Ausweisung von nachrichtendienstlichem Personal ist zwar keine Verletzung des Völkerrechts, hat aber in dieser Situation den Charakter eines unfreundlichen Aktes, der als friedensstörende Handlung nach Art. 26 (1) GG verfassungswidrig wäre.

Die aktuelle Situation ist brandgefährlich, weil sie den Keim zum Bruch normaler Beziehungen zu Russland und damit zum Kollaps der nach dem Fall der Berliner Mauer geschaffenen europäischen Neuordnung in sich trägt. Manche Staaten des Westens sehnen sich nach einer Ausgrenzung Russlands. Das kann kein Ziel der Deutschen sein.

London als "City of Lies" - Warum Deutschland den Briten im Fall Skripal nicht folgen sollte

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Die Ergebnisse der Untersuchung zum Fall Skripal stehen noch aus. Dennoch werden die westlichen Töne gegenüber Russland immer schriller. Dabei gibt es sehr gute Gründe, den Briten in diesem Fall nicht zu folgen. Ein Kommentar von Willy Wimmer.

von Willy Wimmer

Der Westen dreht an der Eskalationsschraube. Russland ist in einer Art und Weise gefordert, wie wir es sogar während des ersten Kalten Krieges nicht erlebt haben. Die Menschen in Europa sind eigentlich auf Zusammenarbeit aus. Sie wollen nach Jahrzehnten der westlichen Kriegszüge endlich einmal Frieden und keinesfalls den nächsten Großkonflikt. Deshalb ist die Frage berechtigt, als was der "Blitz" aus London wahrgenommen wird, wenigsten bei denen, die in den Staaten der Europäischen Union leben?

Die Frage ist zu beantworten, wenn man sich die westliche Politik gegenüber Russland seit dem Regierungs-Revirement Genscher/Kinkel im Frühjahr 1992 ansieht. Bis zu diesem Zeitpunkt war in Europa Zusammenarbeit mit Russland auf der Basis der gegen Ende des ersten Kalten Krieges vereinbarten Regeln über das "gemeinsame Haus Europa" angesagt. Dazu zählte vor allem die "Charta von Paris" aus dem November 1990. Mit dieser Charta sollte die konstruktive Phase der Zusammenarbeit in Europa eingeläutet und der Krieg endgültig aus Europa verbannt werden. Das war nicht im angelsächsischen Interesse, wie sich ab diesem Zeitpunkt in dem Bemühen der US-dominierten NATO zeigte, sich an die Westgrenze der Russischen Föderation vorzuschieben.

Es ist der neue Nationale Sicherheitsberater des US-Präsidenten Donald Trump, Herr John Bolton, der als Architekt der neuen Frontbildung gegenüber Russland angesprochen werden muss. Auf der berüchtigten Konferenz in Bratislava im Mai 2000 war es John Bolton, der die anwesenden hochrangigen Vertreter aus Mittel-und Osteuropa über das neue amerikanische Konzept der Spaltung Europas in Kenntnis setze. Danach ging es nicht mehr um Zusammenarbeit, sondern Teilung und einen "Ost-Limes", der zwischen Riga und Odessa quer über den Kontinent geschaffen werden sollte, um Russland aus Europa hinauszudrängen.

Neu war und ist dieses Konzept nicht, wie George Friedman von der US-Denkfabrik "Stratfor", und nicht nur er, vor Jahr und Tag verlautbaren liess. Es geht darum, Voraussetzungen auf dem Kontinent im amerikanischen Interesse zu schaffen, nach denen eine Zusammenarbeit im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Deutschland und Russland unmöglich wird. Die Angelsachsen brauchen einen europäischen Brückenkopf, an dem sich latent die Konflikte entzünden lassen. Seit dem Auftauchen westlicher Interventionstruppen im russischen Bürgerkrieg nach 1918 lässt sich dieses Konzept verfolgen, das unter Herrn John Bolton fröhliche Urstände feierte.

Und das Land von Theresa "Bond". Großbritannien lässt sich gerne als das "Mutterland der Demokratie" bezeichnen, zu deren Markenzeichen auch bei ungeschriebener Verfassung der "Rechtsstaat" zählt. Daran legt Theresa "Bond" derzeit die Axt an. Ohne einen schlüssigen Beweis, auf den die internationale Öffentlichkeit allein schon wegen der Dimension der Vorwürfe einen nicht zu diskutierenden Anspruch hat, werden kriegsvorbereitende Vorwürfe gegen ein europäisches Nachbarland, Russland eben, erhoben. Getreu der angelsächsischen Grundregel, dass alles erlaubt ist, wenn die USA und Großbritannien ihre Interessen verfolgen. Jeder, der auf sein Recht und seine Position demgegenüber beharrt, erklärt sich im Sinne einer "Selbstverpflichtung" zum Feind. Da ist für Recht und Völkerrecht kein Platz, und die britische Premierministerin mit ihrem unglaublichen Außenminister B. J. verhält sich entsprechend.

Es ist schockierend und friedensgefährdend, wie sich die deutsche Bundesregierung verhält. Großbritannien hat den Anspruch auf "Bündnissolidarität" nur, wenn es sich an die weltweit anerkannten Regeln hält, und die verlangt nun einmal "Beweise". Die Schweiz, die sich in immer stärkerem Maße an ihre alte Rolle der "streitschlichtenden Großmacht" erinnert, macht Berlin geradezu vor, auf was es jetzt ankommt: Aufklärung eines Kriminalfalls in Großbritannien und Beweise. Sonst geht gar nichts.

Statt London wegen andauernder kriegstreibender Aktivitäten in den Arm zu fallen, dackelt Frau Dr. Merkel als Kanzlerin hinter der britischen Premierministerin her. Als hätte uns seit dem verbrecherischen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien die kriegstreibenden Kräfte nicht schon in genug Kriege hineingelogen. Millionen Menschen wurden Opfer der westlichen Kriegszüge, inklusive der fadenscheinigen Begründungen, die aus dem Handbuch des britischen Imperialismus, Militarismus und Kolonialismus nicht nur des 19. Jahrhunderts stammen. London als "City of lies".

Montag

Wahlergebnisse Russland: Über 67 Prozent Wahlbeteiligung, 76,77 Prozent für Putin

aktuellen Nachrichten

Um 9 Uhr Moskauer Zeit wurden 99,83 Prozent der Stimmen ausgezählt. Die Wahlbeteiligung lag bei über 67 Prozent. Dies gab die Vorsitzende der Zentralen russischen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, bekannt. Wladimir Putin erhielt die absolute Mehrheit der Stimmen mit 76,77 Prozent.

Wladimir Putin, amtierender russischer Präsident, erhielt in den Präsidentschaftswahlen vom 18. März die Mehrheit der Stimmen. Nachdem die Wahlergebnisse aus 99,5 Prozent der Wahllokale ausgezählt wurden, stimmten 76,77 Prozent der Bürger der russischen Föderation für Putin. Die Wahlen wurden von 474.500 Wahlbeobachtern und 10.500 Journalisten begleitet. Darunter befanden sich 1.513 ausländische Wahlbeobachter aus 115 Ländern, so Ella Pamfilowa. Die anderen fünf Gegenkandidaten Putins erhielten kaum über zwei Prozent der Stimmen. Zu Berichten der Wahlmanipulation und Unregelmäßigkeiten sagte Pamifolova, dass es nur "geringfügige und regionale Beschwerden" gab. 

Samstag

Die Menschen, die heute Russland beschuldigen

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Es ist die intellektuelle und politische anglo-sächsische Elite.

Diese Personen äußern die Bereitschaft, die Wahrheit und nur die Wahrheit zu sagen.

Entschuldigen, aber ich glaube ihnen nicht!

Donnerstag

Die dumme Provokation

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Bewerten Sie das Foto von der Stelle der Anwendung "des Neulings" — darauf zwei grüner Clowns in den Taucheranzügen des höchsten Bioschutzes, mit dem geschlossenen Zyklus. Noch zwei weiße Clowns einfach in Schutzsatz und die Respiratoren. Und drei englische Feuerwehrmanne einfach in den Helmen, mit den stumpfen Fratzen. Und was ihnen wird — sie stehen hinter dem weißen-blauen Band.

England wird geschändet. Die dumme Provokation. Theresa May arbeitet auf den Kreml. Anders als solche Dummheit zu erklären.

Es wäre lächerlich, wenn nicht so traurig ist.

Mittwoch

Skripal-Vergiftung: Großbritannien setzt sich über Chemiewaffenkonvention hinweg

aktuellen Nachrichten

London hat den politischen Konflikt mit Russland eskalieren lassen. Die Chemiewaffenkonvention sieht vor, dass Zweifelsfälle zunächst bilateral ausgetragen werden müssen. Dagegen beschuldigt Großbritannien Russland faktenfrei und zieht unbeteiligte Staaten in Mitleidenschaft.

von Wladislaw Sankin

Rechtswege in Fällen mit Russland-Bezug? Bei London Fehlanzeige. Das Ultimatum an Moskau und die darauffolgenden einseitigen Sanktionen gegen Moskau sind nicht nur ein diplomatischer Affront, der Staaten schnell an den Rande eines Krieges bringen kann. Auch rein juristisch ist Mays Verhalten rechtswidrig. Dabei verletzt sie die Konvention ebenjener Organisation, deren Unterstützung sie in ihrem Angriff auf Russland auf ihrer Seite zu haben glaubt.

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sieht vor, dass Staaten im Falle des Verdachts auf einen Chemiewaffeneinsatz alle Angelegenheiten zunächst im transparenten Austausch aller notwendigen Informationen klären sollen. Wenn eine unmittelbare Konsultation zwischen den Vertragsstaaten untereinander nicht möglich sein sollte, müsste in einem für einen der Vertragsstaaten besorgniserregenden Fall dieser eine Anfrage an einen anderen Vertragsstaat stellen. Dann hat jener zehn Tage Zeit, um seinerseits "ausreichende Informationen" zu liefern, besagt die Chemiewaffenkonvention im Artikel IX.

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Doch ebendies hat London nicht getan. Wüste Beschuldigungen, zunächst von Außenminister Boris Johnson, dann von Premierministerin Theresa May, und Hysterie in der Presse – all das dürfte der Vertragsstaat Russland in der größtmöglichen medialen Aufmachung wie auch die gesamte Weltöffentlichkeit mitverfolgen. Aber natürlich war das keine offizielle Anfrage, geschweige denn die Möglichkeit einer Proben-Gegenanalyse.

Großbritannien verletzt de facto die Chemiewaffenkonvention, laut der es dem verdächtigten Land notwendige objektive Daten übergeben sollte, darunter auch Proben der verdächtigen Substanz. Danach müsste die russische Seite auf diesen Verdacht binnen zehn Tagen reagieren. Stattdessen wählte London leider die Sprache der Ultimaten. Ich kann sofort sagen, dass Ultimaten gegenüber Russland nicht funktionieren", sagte der russische Botschafter bei der EU-Kommission Wladimir Tschischow.

Ein solches Verhalten ist verantwortungslos und rechtswidrig. Das bestätigte die Rede von Theresa May aufs Neue. Sie lastete Russland – ohne jeglichen Aufklärungsversuch! – den illegalen Einsatz von C-Waffen an: Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Russland des Chemiewaffeneinsatzes beschuldigt, ohne Ermittlungsverfahren und ohne jegliche Beteiligung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen.

Vor dem historischen Hintergrund, dass die mit Großbritannien eng verbündeten USA im Korea- und im Vietnamkrieg chemische Massenvernichtungswaffen eingesetzt und dass beide Staaten dem Irak vor 1990 beim Aufbau des Chemiewaffenprogramms geholfen haben, ist diese Anschuldigung beispiellos in ihrer Dreistigkeit.

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Da die Zusammenarbeit der OPCW mit Russland offenbar gut funktioniert, lässt London die internationale Behörde außen vor. "Die Reputation Russlands im Bereich der Nichtverbreitung von Chemiewaffen ist sehr hoch", sagt der russische Chemiewafаenexperte Anton Utkin, der als Inspekteur im Jahre 1994 als Inspekteur im Irak mitwirkte und einer der führenden Spezialisten für Vernichtung von Chemiewaffen ist.

Russland habe niemals C-Waffen eingesetzt und sei seit 1985 in diversen Gremien aktiv, die die Nichtverbreitung von C-Waffen weltweit kontrollieren. Bereits im Jahr 1987 habe die UdSSR, die damals im Besitz der größten Chemiewaffenbestände war, angekündigt, ihr Chemiewaffenprogramm einstellen zu wollen.

Im Jahre 1997 hatte Russland ein Chemiewaffenarsenal von 40.000 Tonnen, die USA gab verfügten zu diesem Zeitpunkt über 28.500 Tonnen. Im Zuge des Programms zur Vernichtung von C-Waffen hat Russland im Herbst 2017 vorzeitig seine letzten Bestände vernichtet. Der geplante Termin der US-Amerikaner liegt im Jahr 2023.

Nun aber hat Großbritannien die Beziehungen zu Russland an den Rand eines vollständigen Bruchs gebracht. Das macht die vom Vorsitzenden der oppositionellen Labour-Partei Jeremy Corbin in derselben Debatte im britischen Parlament am Dienstag angemahnte Kooperation mit Russland bei der Kontrolle chemischer Waffen umso schwieriger. Aber darum geht es dem offiziellen London in Wirklichkeit nicht.

"Für Briten ist Skripal ein sakrales Opfer" – Ex-FSB-Chef zur Vergiftung des Doppelagenten Skripal

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Die Vergiftung des ehemaligen GRU-Obersts Sergej Skripal nützt den USA, Großbritannien und der Ukraine, sagt der ehemalige FSB-Chef Nikolai Kowaljow. Der Gedanke, Russland habe Skripal töten wollen, sei dagegen "Irrsinn". Dafür müssten die Russen "Schwachköpfe" sein.

Der Leiter des Föderalen Sicherheitsdienstes, Oberst Nikolai Kowaljow, im Jahr 1996. Er leitete die Sicherheitsbehörde von 1996 bis 1998 und war damit der Vorgänger Wladimir Putins, der im Jahr 1998 das Amt kurzzeitig übernahm. Zurzeit ist Kowaljow Duma-Abgeordneter und in mehreren Gremien aktiv.

Der Geheimdienst-Profi und Vorgänger Wladimir Putins in dessen kurzfristig ausgeübtem Amt als FSB-Direktor, General Nikolai Kowaljow, äußerte sich gegenüber russischen Medien ausführlich zu dem Vorfall um die mutmaßliche Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Sergei Skripal. In erster Linie warf er die Frage nach dem Motiv für so ein Verbrechen auf. Ein solches sei aufseiten des russischen Staates nicht zu erkennen.

Im Gegenteil, der Anschlag bringe Russland einen "absoluten Schaden" und verschaffe denjenigen Staaten Vorteile, die Russland als "Aggressor" darstellen wollen. Die Nutznießer seien in diesem Fall die USA, England und indirekt auch die Ukraine.

Mehr zum Thema -  Skripal: Britische Medien und Politiker beschuldigen Russland (Video)

 

Ich persönlich habe angesichts dieser ganzen Reihe an Mordfällen an Verrätern (Russlands) auf englischem Territorium den Eindruck gewonnen - und das ist meine Version -, dass Engländer, wenn der Nutzen dieser Leute ausgeschöpft ist, sie diese sozusagen als Sakralopfer darbringen. Und dann sagen sie, es sei Russland gewesen", so Kowaljow.

Er habe deswegen das Gefühl, dass englische Geheimdienste damit etwas zu tun haben könnten. Leute wie Skripal seien, wie es im journalistischem Jargon heißt, "unter der Glocke", die Behörden kontrollieren sie, wissen, wo sie sich befinden, kennen ihren Tagesablauf - und dann passieren jedes Mal solche seltsamen Dinge, so der General.

Dass die Engländer nun jedoch ohne jegliche Ermittlung behaupten, Russland stecke dahinter, sei einfach "Wahnsinn":

14 Jahre zu warten, um Skripal ausgerechnet am Vorabend der Wahl des Präsidenten der Russischen Föderation zu ermorden und Russland so einen maximalen Schaden zuzufügen? Damit nach der britischen und amerikanischen Vorlage die ganze Welt schreit, Russland sei in einen politischen Mord verwickelt? Dafür müsste man ein absoluter Schwachkopf und einfach nur wahnsinnig sein", so Kowaljow.  

Mehrere Zeugen zweifeln an der offiziellen Version

Ähnlich fallen die Schätzungen anderer Amtsträger und Experten aus. Von "Quatsch, Hysterie, Delirium oder Zirkus" ist dann die Rede. Es gibt auch Stimmen auf der anderen Seite der "Frontlinie", die an der Plausibilität des Verdachts gegen die Russen zweifeln. So sagte ein in London lebender Exil-Russe Waleri Morosow, der Sergej Skripal persönlich kannte, gegenüber dem Spiegel, es sei unwahrscheinlich, dass der russische Staat etwas mit dem Fall zu tun habe:

Ich glaube nicht, dass der Kreml oder Wladimir Putin dahintersteckt. Die Täter profitieren von einer günstigen weltpolitischen Lage: Wenn in Großbritannien etwas in dieser Art geschieht, wird direkt Putin verantwortlich gemacht. In dieser Hinsicht ist Großbritannien der Himmel für Kriminelle aus Russland. Und von denen gibt es hier viele.

Zudem sei es bei den Geheimdiensten unüblich, "bei solchen Anschlägen" auch Unbeteiligte, erst recht Kinder, zu töten. Das entspreche nicht der Vorgehensweise der russischen Geheimdienste, in deren Milieu Morosow nach eigenen Angaben nach wie vor zahlreiche Kontakte hätte.

Nun ist aber die Tochter mitvergiftet worden", so Morosow.   

Außerdem sei Skripal für russische Behörden nicht interessant gewesen, er hätte mit ihnen während seiner Verhaftung kooperiert und hätte sogar in der russischen Botschaft mehrere Bekanntschaften gepflegt, behauptete Morosow. Mit dem Austausch und der Überführung nach Großbritannien sei der Fall für den russischen Geheimdienst erledigt gewesen.

Gemeinsam mit Skripal wurde damals der Agent Igor Sutjagin begnadigt, der ebenfalls nach Großbritannien ausreiste. Befragt zu dem aktuellen Vorfall erklärte dieser:

Falls es eine Vergeltungsmaßnahme gegen Skripal war, ist unklar, warum sie erfolgte", sagte Sutjagin zu Radio Swoboda.

Skripal habe schließlich gestanden, sei begnadigt worden und habe einen Teil seiner Strafe abgesessen. "Ich sehe keinen Grund für Rache gegen ihn", erklärte Sutjagin - auch wenn es in Russland durchaus "spezielle Dienste" gebe, die "Verräter liquidieren", schrieb die Tagesschau.  

Johnson: Russland wird für seine Boshaftigkeit büßen

Aber genau diese Frage - "Wem nutzt es?" - wird in den britischen Medien nicht gestellt. Stillschweigend wird angenommen, dass Russland nur aufgrund seiner "Boshaftigkeit", wie es der britische Außenminister formulierte, den Ex-Agenten, der in den 1990er Jahren agiert habe, samt seiner Tochter auf so aufwendige und höchst riskante Art und Weise liquidieren musste.

Boris Johnson, ermutigt durch Solidaritätsbekundungen vonseiten der EU, der NATO, der USA und Frankreichs, will schon am morgigen Donnerstag eine Reihe neuer Strafmaßnahmen gegen Russland verkünden. Er habe auch mit seinem Kollegen Sigmar Gabriel gesprochen, meldete dpa. Johnson lobte die Bereitschaft der "Freunde" Großbritanniens, Solidarität zu zeigen. Insbesondere der mittlerweile aus seinem Amt geschiedene US-Außenminister Rex Tillerson soll nach Angaben von Johnson Russland für dessen "verstörendes und bösartiges Verhalten und die leichtsinnige Nutzung der chemischen Waffen - in Syrien ebenso wie auf den Straßen von Salisbury -" scharf verurteilt haben.  

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Nach Angaben Johnsons bleibt Großbritannien bei seinem am Montag von der britischen Premierministerin Theresa May verkündeten Ultimatum: Russland müsse sich bis Mitternacht gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) erklären. "Die Antwort Großbritanniens" werde auf jeden Fall kommen, drohte Johnson am Mittwoch an.

Über die möglichen Maßnahmen wird in den britischen Medien viel spekuliert. So hält die Zeitung The Timeseine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Eine andere Option könnte die Ausweisung von Diplomaten sein. Auch finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen aus dem Umfeld des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Immobilienbesitz in London seien denkbar. May hat bisher damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-WM nach Russland zu schicken.

Samstag

Putin: US-Rückzug aus ABM-Vertrag hat neuen Rüstungswettlauf ausgelöst

aktuellen Nachrichten

Russlands Präsident Wladimir Putin wies Vorwürfe zurück, er habe mit der Vorstellung der neuen russischen Nuklear-Abschreckung das Wettrüsten wiederbelebt. Zu NBC meinte Putin, US-Präsident G.W. Bush hätte dies mit dem Ausstieg aus dem ABM-Vertrag bewirkt.

US-Präsident George W. Bush und der russische Präsident Wladimir Putin geben eine gemeinsame Presse-Konferenz am 6. April 2008 in Putins Residenz Botscharow Rutschej bei Sotschi.

In einem Interview mit NBCs "Megyn Kelly Today" am Donnerstag ist das russische Staatsoberhaupt Behauptungen der westlichen Medien entgegengetreten, er habe mit der Vorstellung neuer atombetriebener Raketen, darunter auch der hypersonischen "Sarmat", das Signal für ein neues Wettrüsten gesetzt. Die alarmierende Rhetorik, die nun durch viele westliche Nachrichtenagenturen gehe, sei nur eine weitere Form der Propaganda, sagte Putin.

Mein Standpunkt ist, dass die Personen, die sagen, dass ein neuer Kalter Krieg begonnen hat, nicht wirklich Analytiker sind, sie machen Propaganda", sagte er NBC.

Mehr zum Thema -  Putin im NBC-Interview: Analytiker, die Beginn des Kalten Krieges verkünden, betreiben Propaganda

Putin beschuldigte Washington, bereits im Jahr 2002 den ABM-Vertrag von 1972 verworfen zu haben. Der Rückzug aus dem Vertrag sei der wahre Grund für eine eskalierende Konfrontationsspirale:

Wenn wir von einem Rüstungswettlauf sprechen, dann begann dieser genau an diesem Punkt.

Erst Rückzug aus ABM-Vertrag, dann Einkreisung

Es war in der Tat der damalige US-Präsident George W. Bush, der sich aus dem ABM-Vertrag zurückzog, der zuvor eine der Hauptsäulen der Entspannungspolitik gewesen war und über fast 30 Jahre eingehalten wurde. Bush argumentierte, dass der Vertrag die Fähigkeit der USA behindere, sich vor "zukünftigen Terroristen oder Angriffen vonseiten der Schurkenstaaten" zu schützen.

In den folgenden Jahren haben die USA Russland mit ihren Raketenabwehranlagen umzingelt, ihren Raketenschutzschild auf Rumänien und Polen ausgedehnt und erstmals auch eine Batterie des Patriot-Langstrecken-Flugabwehrsystems nach Litauen verlegt.

Der nukleare Aufbau der USA vor der Haustür Russlands veranlasste Moskau dazu, seine neuesten Iskander-Systeme in seiner Exklave Kaliningrad zu stationieren, um dadurch der Bedrohung durch den angriffsfähigen US-Raketenschild in Polen und Rumänien zu begegnen.

Der Weg, der zur Konfrontation führte, hätte vermieden werden können, wenn die USA sich bereit erklärt hätten, bei der Entwicklung der Raketenabwehr mit Russland zusammenzuarbeiten - ein Angebot, das von Moskau immer wieder erweitert wurde", sagte Putin.

Putin hält Angebot zur Zusammenarbeit aufrecht

Da Washington dies wiederholt abgelehnt hätte, könne er nicht untätig sitzen, so Putin.Der russische Präsident fuhr fort, dass er nach wie vor der Meinung sei, dass sich die beiden Länder auf das konzentrieren sollten, was sie gemeinsam tun können. Er erwähnte den Kampf gegen gemeinsame Herausforderungen für die Sicherheit wie den Terrorismus.

Anstatt sich gegenseitig zu bedrohen, sollten Großmächte ihre Kräfte bündeln, um sich vor Terroristen zu schützen", sagte er der US-Journalistin.

In seiner Rede vor der Föderalen Versammlung sprach Putin am Donnerstag auch ausführlich über die faktische Aufkündigung des INF-Vertrages vonseiten der USA. Es seien die Vereinigten Staaten, die in diesem Jahr in Polen entsprechende Anlagen stationieren wollen und den INF-Vertrag von 1987 über das Verbot landgestützter Kurz- und Mittelstreckenraketen unterlaufen. Er habe zudem bereits 2004 die neuen russischen Waffen angekündigt und damit auf den Verhandlungstisch gelegt, erklärte Putin. Im Westen habe ihm jedoch keiner geglaubt und Gespräche wurden in weiterer Folge verweigert.

Am Donnerstag kam die Antwort, die viele Kommentatoren bereits als "zweite Münchner Rede" bezeichnen. Ob sich daraus, wie von Moskau angeboten, Abrüstungsverhandlungen ergeben, hängt nun vom Westen ab.

Meinung

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: Die Berichterstattung der Lage in Syrien ist von Einseitigkeit und Interessen geprägt. Das verhindert Aufklärung und vermittelt lediglich Teilansichten eines komplexen Konflikts. Ein Kommentar von Karin Leukefeld.

von Karin Leukefeld

Mitglieder der so genannten Weißen Helme besichtigen die Schäden an einer römischen Ruinenstätte in Daraa, Syrien, am 23. Dezember 2017.

Bei einem Vortrag über Syrien berichtete ich einmal über die Arbeit der Versöhnungskomitees. Von Anfang an hatte die syrische Gesellschaft in eigener Initiative versucht, die Gewalteskalation im Land zu stoppen. Viele Persönlichkeiten, die sich für die Versöhnung zwischen Armee und bewaffneten Gruppen in Syrien eingesetzt hatten, bezahlten ihr Engagement mit dem Leben. Andere übernahmen die Arbeit der Getöteten. Es entstand ein Ministerium für die nationale Versöhnung und 2015 griff Russland die Initiative auf und unterstützte die Suche nach Frieden und Versöhnung mit einem "Russischen Zentrum für die Versöhnung der verfeindeten Seiten in Syrien" - mit großem Erfolg.

Während ich bei der besagten Veranstaltung Beispiele der Versöhnungsarbeit in Syrien erläuterte, sprang ein Zuhörer auf und rief laut in den Saal: "Sie lügen! Sie haben sich das ausgedacht! Ich habe noch nie irgendwo in den Medien darüber gehört!"

Tatsächlich ist über die Versöhnungsarbeit in Syrien in deutschen Mainstreammedien kaum berichtet worden. Auch Angriffe der so genannten Rebellen auf die zivile Infrastruktur wie die Strom- und Wasserversorgung wurden kaum erwähnt. Es gab keine Schlagzeilen darüber, dass 2014/15 die "moderaten Rebellen" im Osten von Aleppo die Wasserversorgung Dutzende Male stoppten.

Und als die Fijeh-Quelle bei Damaskus kurz vor Weihnachten 2016 von bewaffneten Gruppen besetzt wurde, um die syrische Regierung dazu zu erpressen, sich den Forderungen der Kampfgruppen in den östlichen Vororten von Damaskus (Ghuta) zu fügen, schoben deutsche Medien mindestens indirekt die Schuld dafür dem "Assad-Regime" zu. Wollte man alles auflisten, was in den vergangenen sieben Jahren über den Krieg in Syrien nicht oder einseitig dargestellt wurde, wäre die Liste lang.

Nicht überprüft, trotzdem gesendet

Die Darstellung des Geschehens in Syrien ist ausgewählt und geprägt von wiederholten, kampagnenartigen Medienhypes. Bestimmte Meldungen werden aufgebauscht und übertrieben und selbst wenn ein Nachrichtensprecher sagt, dass man das Gemeldete "nicht unabhängig überprüfen" könne, wird es trotzdem gemeldet. Die Öffentlichkeit wird beeinflusst, Stimmung wird geschürt, auf diese Weise will man Strafmaßnahmen gegen Syrien, von der politischen Isolation über Sanktionen bis hin zu militärischen Angriffen vorbereiten.

Karin Leukefeld während einer Veranstaltung zu Syrien im Friko in Berlin am 4. März 2018.

In Zeiten des Internets und so genannter Sozialer Medien geschieht das innerhalb kürzester Zeit und je öfter diese "Hypes" sich wiederholen, desto mehr setzen sie sich in den Köpfen der Öffentlichkeit fest. Kinder sind ein häufiges Opfer solcher Medienhypes. Man denkt, man sieht ihr Leid – das im Krieg zweifelsohne geschieht –, tatsächlich aber werden sie benutzt. Ein Feindbild soll gefestigt, die Akteure des Syrienkrieges in "Gut" und "Böse" aufgeteilt werden. Jeder erinnert sich an die kleine Bana Alabed aus Aleppo, die sich die Herzen der "freien Welt" ertwitterte.

Dass die Tweets von ihrer Mutter verfasst worden war, um Stimmung gegen die syrische Regierung und Russland zu erzeugen, wurde später zwar bekannt, aber kaum berichtet. Fotos des kleinen Omran aus Aleppo, den "Weißhelme" in einem Rettungswagen fotografierten, gingen um die Welt. Opfer eines Luftangriffs des "syrischen Regimes und Russlands", berichteten die Medien. Erst später wurde bekannt, dass der kleine Junge ohne Wissen und Genehmigung seiner Eltern in den Krankenwagen gesetzt und fotografiert worden war.

Propagandistischer Kinderkreuzzug

Die Medien sind geschult darin, Tatsachen und wichtige Zusammenhänge auszulassen, um eine Nachricht möglichst griffig und skandalisierend zu verbreiten. Was bleibt, ist das Bild leidender, angsterfüllter, verlassener Kinder in einem Krieg, für den das "Assad-Regime" und dessen Unterstützer verantwortlich sind. Das Bild des Jungen Raslan, dem vor laufender Kamera die Kehle von angeblich "moderaten Rebellen" durchgeschnitten wurde, war in deutschen Leitmedien nicht zu finden.

Auch Politiker bedienen sich einer ausgewählten Darstellung von Syrien und beeinflussen damit die Sichtweise auf das Land. Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte vor wenigen Tagen (2. Februar 2018) mit US-Präsident Donald Trump. Beide stimmten darin überein, dass "das syrische Regime und dessen russische und iranische Verbündete zu einer umgehenden und vollständigen Umsetzung der Resolution 2401 (2018) des UN-Sicherheitsrates aufgerufen" seien, teilte Regierungssprecher Seibert in einer Presseerklärung mit.

Die Resolution fordert alle militärischen Akteure in Syrien zu einer 30-tägigen Waffenruhe auf. Doch Merkel und Trump konzentrierten sich lediglich auf zwei von Dutzenden Akteure im Syrienkrieg, auf Russland und auf das "Assad-Regime". Russland müsse "seine Beteiligung an der Bombardierung Ost-Ghutas" beenden und das "Assad-Regime zu einem Stopp der Offensivoperationen gegen zivile Gebiete" bewegen. Das "syrische Regime" müsse "zur Rechenschaft gezogen werden", so die Regierungsmitteilung. Das gelte "sowohl für den Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime als auch für dessen Angriffe gegen Zivilisten und die Blockade humanitärer Unterstützung."

Die Meldung, dass der französische Präsident Emmanuel Macron Syrien mit Luftangriffen droht, sollte dort Giftgas eingesetzt werden, findet weite Verbreitung. Dass sowohl Macron als auch US-Verteidigungsminister James Mattis eingeräumt haben, dass Beweise für einen Giftgaseinsatz der syrischen Regierungstruppen nicht vorliegen, wird kaum gemeldet. In der deutschen Öffentlichkeit ist die Meinung, dass das "Assad-Regime" Giftgas einsetzt, weit verbreitet, obwohl zwischen 2013 und 2016 sämtliche Chemiewaffenbestände Syriens unter internationaler Kontrolle abtransportiert und vernichtet worden war.

Umsturz statt Reform

Anstatt auf diese sehr positive Tatsache zu verweisen, wiederholen Medien unbestätigte Gerüchte von "moderaten Rebellen", die seit 2011 ein Eingreifen der NATO, ein militärisches Eingreifen "wie in Libyen"(2011) fordern. Auch oppositionelle Gruppen aus Syrien stellen den Konflikt einseitig dar und erhalten viel Raum in hiesigen Medien. Vertreter der "Nationalen Koalition der oppositionellen und revolutionären Kräfte in Syrien" haben seit 2011 "Waffen, Waffen, Waffen" für die Opposition in deutschen Medien gefordert. Andere Oppositionelle, die für einen Dialog mit der syrischen Regierung eintreten, finden kein Gehör.

Seit Beginn der türkischen Offensive auf die nordwestsyrische Region um die Kleinstadt Afrin (Provinz Aleppo) schaffen es auch die syrischen Kurden in die Schlagzeilen. Eine Demonstration "Frieden für Afrin" Anfang März in Berlin brachte nach kurdischen Angaben 20.000 Menschen auf die Straßen, darunter auch Vertreter von Gewerkschaften, der Friedensbewegung und Parteien. So richtig die Kritik an dem Krieg der Türkei gegen die Kurden (nicht nur) im Norden Syriens ist, so einseitig bleibt sie. Krieg wird nicht nur gegen die Kurden in Afrin, sondern seit sieben Jahren in und gegen ganz Syrien geführt.

Die Darstellung der Lage in Syrien ist von Interessen geprägt. Das verhindert Aufklärung und vermittelt in der Öffentlichkeit lediglich Teileinsichten in den komplexen Syrien-Krieg, in den innersyrische, regionale und internationale Akteure verwickelt sind. Die Bundesregierung prangert Russland, Iran und die syrische Regierung an, weil Deutschland im Bündnis mit den USA, Großbritannien, Frankreich, Jordanien, Saudi-Arabien und Israel Wege zu einer möglichen Aufteilung Syriens erörtert.

Die in Deutschland unterstützte syrische Opposition verbreitet Meldungen, die ihr Anliegen - den Sturz der syrischen Regierung - fördern. Die kurdischen Verbände und Organisationen um die syrische Partei der demokratischen Union (PYD) prangern die Türkei und ihre Verbündeten an und stellen ihr Projekt einer nordsyrischen Föderation unter Selbstverwaltung als einzige Alternative dar. Dass in ihrem Einflussgebiet im Nordosten Syriens mittlerweile 20 US-amerikanische Militärbasen und Flughäfen gebaut wurden, kommt in ihrer Darstellung nicht vor.

Schwarz-Weiß-Bild wird komplexer Realität nicht gerecht

Aufgabe der Medien wäre es, alle Seiten zu Wort kommen lassen, damit die Öffentlichkeit ein möglichst reales Bild der Lage in Syrien erhält. Ansätze für Versöhnung, für Frieden, Waffenstillstände, staatliche Amnestie, Vorschläge für politische Veränderungen kommen aber in den großen Medien kaum vor. Und wenn darüber berichtet wird, wie über die "Konferenz für den nationalen Dialog" in Sotschi oder die Genfer Syriengespräche, geschieht es mit Häme, Zweifel, Skepsis. Jeder Dialog- und Verständigungsversuch in Syrien wurde niedergeschrieben oder –berichtet, noch bevor die Gesprächspartner überhaupt eingetroffen waren.

Für mögliches oder tatsächliches Scheitern werden Russland, Türkei und Iran verantwortlich gemacht, die Garantiemächte für Deeskalationsgebiete und Waffenstillstände in Syrien. Deren Politik wird nicht in ihren konfliktlösenden Ansätzen und Initiativen dargestellt, sondern als kriegstreibend. Russland, das das "Assad-Regime" bei den "Massakern an der eigenen Bevölkerung" unterstützt. Der Iran, der Israel bedroht und die Türkei, die deutsche Journalisten inhaftiert.   

Die interessensgeleitete Darstellung des Krieges in Syrien in deutschen Medien und in der Politik teilt ein in "Gut" und "Böse", in "Freund" und "Feind". Das fördert Feindbilder und entspricht einem Weltbild nach dem Motto: Entweder Ihr seid für uns oder Ihr seid gegen uns. Die Welt so zu polarisieren – ob medial, politisch oder militärisch – entspricht nicht der Realität. Nicht in Syrien und auch nicht anderswo.

 

Berlin in Angst: Deutsche Einwohner fühlen sich zunehmend unsicher

aktuellen Nachrichten

Das Sicherheitsempfinden der deutschen Berliner hat merklich nachgelassen. Fühlten sich letztes Jahr noch zwei Drittel der Deutschen in Berlin sicher, so sind es heute nur noch 56 Prozent. Der Prozentsatz derer, die sich sehr unsicher fühlen, stieg von 9 auf 16 Punkte.

Mehr zum Thema - Deutschland: Rund 30 Prozent der Asylsuchenden kommen mit dem Flugzeug

Während manche Berliner die Medienberichterstattung für das sinkende Sicherheitsgefühl verantwortlich machen, führen andere die wachsenden Ängste auf den gestiegenen Anteil von Migranten und Flüchtlingen zurück. 

Laut Arnold Mengelkoch, Integrationsbeauftragter für den Stadtteil Neukölln, würden Straftäter häufig schon nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt. Flüchtlinge würden sich daher nicht mehr vor einer Verhaftung fürchten. Mengelkoch rechnet mit einer neuen Welle der Gewalt. Kürzlich sprach der Berliner Innensenator Andreas Geisel gar von einem wachsenden "Hass auf Deutsche" unter Flüchtlingen.

Freitag

Rede zur Lage der Nation: Wie Putin den Westen wieder an den Verhandlungstisch bringen will

Russland

In seiner Rede vor der Föderalen Versammlung präsentierte der russische Präsident neue strategische Atom-Waffen. Für den größten Feind hält Wladimir Putin jedoch nicht die USA, sondern die wirtschaftliche Rückständigkeit des eigenen Landes.

von Ulrich Heyden, Moskau

Das hatte niemand erwartet. Am Donnerstagmittag stellte Wladimir Putin während seiner Rede vor der Föderalen Versammlung in der Manege, einem Veranstaltungssaal unweit des Kreml, mithilfe von Videos die neusten strategischen Waffen vor, welche Russland einsetzen will, sollte es angegriffen werden.

Seine Rede vor der Föderalen Versammlung, zu der Abgeordnete, Gouverneure, Minister und Vertreter der religiösen Gemeinschaften eingeladen werden, hält der Präsident einmal im Jahr. Sie hat programmatischen Charakter. An der Rede wird monatelang gefeilt. Zahlreiche Spitzenbeamte haben mit Informationen und Zahlen ihren Beitrag zu der Rede geleistet.

Jetzt, zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl, bei der Wladimir Putin mit großer Wahrscheinlichkeit wiedergewählt wird, hat die Rede eine mobilisierende Wirkung, damit die Menschen an die Wahlurnen kommen.

Der Auftritt des russischen Präsidenten dauerte zwei Stunden. In den ersten 75 Minuten sprach der Kreml-Chef über Erfolge und Aufgaben im zivilen Bereich, über die Notwendigkeit von Durchbrüchen im technologischen Bereich und der Digitalisierung, über die Verbesserung der medizinischen Versorgung, die verstärkte Hilfe für ältere Menschen, die Unterstützung von Kleinbauern und die Verstärkung des Straßenbaus.

In der zweiten Hälfte seiner Rede - die 45 Minuten dauerte - sprach der russische Präsident ausschließlich über die nationale Verteidigung. Mithilfe von Videos stellte er sechs neue Waffen vor, unter anderem die 200 Tonnen schwere Atomrakete "Sarmat"; neue Lenkwaffen und Unterwasserdrohnen, die mit Nuklearantrieb eine fast unbegrenzte Reichweite haben; eine neue Laserkanone und die Rakete Kinschal (Säbel), die mit zehnfacher Schallgeschwindigkeit fliegt und eine Reichweite von 2.000 Kilometern aufweist. Diese Rakete, die von einem Flugzeug in die Luft getragen wird und dort startet, habe man bereits in Südrussland stationiert.

Für alle diese Waffen sei die US-amerikanische Raketenabwehr kein Hindernis. Die neuen russischen Waffen seien extrem manövrierfähig. Nahansichten der Waffen könne man aus Sicherheitsgründen nicht zeigen, erklärte der Kreml-Chef. Für die neuen global einsetzbaren Lenkwaffen und Torpedos gäbe es noch keine Namen. Vorschläge könnten Interessierte aber beim Verteidigungsministerium einreichen.

Diese Waffen sind "fantastisch"

Die Ausführlichkeit, mit der Putin die neuen Waffen vorstellte, war ungewöhnlich. Bemerkenswert war auch der lockere Ton, den der Präsident anschlug. Diese Waffen seien "fantastisch", sie würden die amerikanische Raketenabwehr einfach umfliegen. Und sollte die Amerikaner irgendwann ein Gegenmittel entwickeln, dann hätten sich "unsere Leute" schon längst eine neue Waffe ausgedacht.

Der russische Präsident spricht gewöhnlich zu Wirtschaftsfragen und zu Fragen der internationalen Politik. Dass Wladimir Putin aber mit Stolz die neusten Entwicklungen todbringender Waffen vorstellt und faktisch in der Rolle eines Oberkommandierenden auftritt, ist etwas Neues und unterstreicht, dass Russland sich in die Enge getrieben fühlt und jetzt mit dem stärksten Gegenmittel droht.

Die Versammlung applaudierte mehrmals spontan. Einmal standen die Gouverneure und Abgeordneten auch auf und klatschten im Stehen. In der Live-Übertragung des russischen Fernsehens wurden immer wieder auch Gesichter einzelner Teilnehmer gezeigt. Bei einigen Teilnehmern sah man während der Waffen-Präsentation ein zufriedenes Lächeln, bei vielen anderen aber auch so etwas wie Angst. Sicher war das keine Angst vor Putin, sondern Angst vor einem großen Krieg, der immer näher zu rücken scheint.

Dass es in der Bevölkerung Kritik an den neuen Waffen und den damit verbundenen Ausgaben gibt, ist unwahrscheinlich. Bis auf die russischen Liberalen, die derartige Anschaffungen als übertrieben kritisieren, werden alle politische Kräfte die neuen Waffen begrüßen, denn sie sichern Russlands Souveränität.

In einer Talk-Show des Ersten Kanal betonten mehrere der eingeladenen Experten, dass sich die Erfolge bei der Entwicklung neuer Waffen und die damit verbundenen technologischen Durchbrüche auch positiv auf den zivilen Sektor auswirken werden.

Die Demonstration der neuen Waffen zeigt ganz eindrücklich, dass Russland sich zur Friedenssicherung nicht mehr nur auf das Geschick von Diplomaten verlässt, sondern mehr und mehr auch sein militärisches Gewicht in die Waagschale wirft.

Die Entwicklung neuer Waffen sei nötig geworden, weil die USA 2002 aus dem Vertrag über die Begrenzung der Raketenabwehr ausgestiegen sind und versuchten, die russischen strategischen Raketen komplett abzufangen, Russland also die Verteidigung zu nehmen, sagte der Kreml-Chef. Die USA arbeiteten bereits seit vielen Jahren mit großer Intensität an einem Raketen-Abwehrschirm, der bereits in Rumänien steht, sich in Polen im Aufbau befindet und der außerdem in Japan, Südkorea und auf 30 Schiffen stationiert werden soll.

Für die russische und die internationale Öffentlichkeit war die Ankündigung von Wladimir Putin eine Überraschung. Die Arbeiten an den neuen Waffen waren bisher geheim gehalten worden. Aber angesichts eines massiven NATO-Truppenaufmarsches an der russischen Westgrenze, angesichts der Tatsache, dass die USA die Souveränität von Syrien und anderer Staaten in den letzten Jahren immer wieder missachtet haben, sieht Russland sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen.

Wladimir Putin erklärte, dass jeder atomare Angriff auf Russland oder seine Verbündeten sofort beantwortet wird. Präventivschläge sind in der russischen Militärdoktrin aber nicht vorgesehen.

Kann man Wladimir Putin vorwerfen, dass er leichtfertig mit den neuen Waffen droht? Nein, denn der russische Präsident hat den Westen mehrmals vorgewarnt, was passiert, wenn dieser versucht, Russland militärisch zur Verteidigung unfähig zu machen.

In seiner gestrigen Rede erklärte der russische Präsident, er habe die USA 2004 gewarnt. Wenn der Westen aufrüste, werde auch Russland neue Waffen entwickeln. Die jetzt entwickelten Waffen habe der Westen nicht. Putin beendete seine Ausführung zu den neuen Waffen mit den Worten:

Wir wollten unsere Partner zu Verhandlungen bewegen, aber niemand will mit uns reden und uns zuhören. Hören sie uns jetzt zu!

 Die Versammelten erhoben sich erneut und applaudierten.

"Rückständigkeit in der Entwicklung ist unser größter Feind"

Putin hatte seine Rede mit einer Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Situation im Land begonnen. Viele Russen müssen angesichts der Sanktionen und des gesunkenen Ölpreises Lohneinbußen und sogar Entlassungen hinnehmen. Das Wachstum liegt bei einem Prozent. Und es ist nicht erkennbar, dass sich die wirtschaftliche Situation bald ändert.

Der russische Präsident machte keinen Bogen um die sozialen Probleme. Er erklärte, man habe zwar Stabilität in Russland erreicht, aber man dürfe sich mit der Stabilität nicht begnügen, "insbesondere, weil viele Probleme noch lange nicht gelöst sind". Russland sei zwar

eine führende Macht mit einem starken Außenhandels- und Militärpotenzial. Aber wenn es um die Lebensqualität und den Wohlstand der Menschen geht, haben wir noch nicht unser nötiges Niveau erreicht.

Der größte Feind Russlands sei nicht, "dass jemand kommt, unseren Boden nimmt und ihn zerstört". Die Rückständigkeit "ist die größte Bedrohung und das ist unser Feind". Sie sei wie "eine schwere Krankheit, die müde macht und den Organismus Schritt für Schritt von innen zerstört".

Viel hänge jetzt davon ab, ob Russland sein inneres Potenzial voll zur Entfaltung bringen kann. Den größten messbaren wirtschaftlichen Erfolg gäbe es in der Landwirtschaft. Putin erklärte, Russland habe im letzten Jahr mit einer Getreideproduktion von 130 Millionen Tonnen den sowjetischen Rekord von 127 Millionen gebrochen.

Auch im Wohnungsbau gäbe es eine positive Tendenz. Während von 1950 bis 1980 insgesamt 60 Millionen Quadratmeter an Wohnraum geschaffen worden wären, seien es heute 80 Millionen Quadratmeter. Große Pläne hat der Präsident auch beim Straßenbau. Die Mittel hierfür sollen für die nächsten sechs Jahre auf 159 Milliarden Euro fast verdoppelt werden. Die Flughäfen in den Regionen sollen rekonstruiert werden, so dass die Hälfte der regionalen Fluglinien dann direkt von Region zu Region fliegen kann und nicht den Umweg über Moskau machen muss.

Die Armut sei immer noch hoch, erklärte der Kreml-Chef. Während im Jahr 2000 noch 42 Millionen Menschen in Armut lebten, das heißt fast ein Drittel der Bevölkerung, sei die Zahl der Armen 2012 auf zehn Prozent gesunken. Doch jetzt sei die Zahl der Armen infolge der Wirtschaftskrise wieder auf 20 Millionen gestiegen. Das seien "unzulässig viele" Menschen. "Sogar einige Menschen die arbeiten, leben sehr bescheiden."

Die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung müssten verdoppelt werden. Das Ziel von Putin: Mehr als vier Prozent des Bruttoinlandprodukts sollen für die Gesundheit ausgegeben werden. Zum Vergleich: In Deutschland liegen die Ausgaben für Gesundheit bei 11,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts.

Kritik an übertriebener Optimierung im Gesundheitsbereich

Dann erlaubte sich der Präsident auch Kritik an der Regierung, ohne diese allerdings namentlich zu nennen. Der Gesundheitsbereich sei erfolgreich optimiert worden, allerdings habe man dabei teilweise "übertrieben". So seien Krankenhäuser in kleinen Städten und Dörfern geschlossen worden. Das sei "absolut nicht zulässig". "Das Wichtigste, die Menschen, hat man vergessen", sagte Putin. Wenn es in unmittelbarer Nähe von Wohnungen keine Ambulanz oder kein Geburtshaus gäbe, dann müsse man "diese wiederherstellen". Dieses Ziel hätte man "gleich an den Anfang des Umbaus" im Gesundheitswesen stellen müssen.

Immerhin, so der Präsident, sei die Lebenserwartung in Russland von 65 Jahren im Jahre 2000 auf jetzt 73 Jahre gestiegen. Das sei aber nicht genug. Russland wolle zu den Ländern gehören, in denen die Menschen über 80 Jahre alt werden.

Die 1990er Jahre, in denen in Russland eine neoliberale Schocktherapie wütete und sehr wenige Kinder geboren wurden, machen sich auch heute immer noch bemerkbar. Zwar ging die Zahl der Geburten - auch in Folge von materieller Unterstützung für die Mütter - in den letzten 15 Jahren nach oben, aber die Bevölkerung  im arbeitsfähigen Alter sei 2017 um eine Million Menschen gesunken, erklärte der Präsident. Diese Tendenz werde anhalten und zu einer "ernsten Beschränkung des ökonomischen Wachstums führen". Damit die Mütter schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren können und ihre Qualifikation nicht verlieren, werde man 270.000 Kindergartenplätze schaffen.

Friedensbewegung könnte Rüstungsspirale stoppen

Die Rede vor der Föderalen Versammlung fiel diesmal dramatisch aus auf Grund der Vorstellung der neuen Waffen. Viele liberale Russen werden befürchten, dass die wirtschaftliche Entwicklung im Land durch erhöhte Rüstungsausgaben gebremst wird. Doch die Mehrheit der Bevölkerung wird wohl verstehen, dass es zu den neuen Waffen keine Alternative gibt.

Sollte in westlichen Ländern eine mächtige Friedensbewegung entstehen, welche die Bedrohungspolitik gegenüber Russland kritisiert und die westlichen Regierungen an den Verhandlungstisch zwingt, könnte das die Rüstungsspirale stoppen. 

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